Wenn man sich einmal dazu entschieden hat, eine Website zu kreieren, ist es verlockend, gleich mit den „schönen“ Dingen zu beginnen – Farben auswählen, von Fotos träumen, Schriften vergleichen etc.

Bevor das dran ist, möchte ich hier allerdings dazu anhalten, vorher ein paar Dinge zu bedenken.

Einige Artikel empfehlen vielleicht 50 bis 100 Fragen zu beantworten, um mit dem Gestalten einer Website zu beginnen. Dieser hier ist keiner von denen. Wenn du dir aber die Zeit nimmst, drei grundlegende Fragen über die zukünftige Seite zu beantworten – und ich meine wirklich zu beantworten – wird es in den darauffolgenden Schritten mehr Freude machen und zu einer besseren Website führen.

Was, wenn du schon eine Website hast? Kein Problem – die Fragen können trotzdem beantwortet werden, um zukünftige Verbesserungen vorzunehmen.

1. Wer ist deine Zielgruppe?

Tipp: Die Antwort ist nicht „jeder“.

Ist die Zielgruppe erst einmal klar, werden sich der Inhalt, der Ton und die Struktur der Website langsam ergeben. Bevor du jetzt aber losrennst und „Ja, ja, ja! Ich kenne meine Zielgruppe“, schreist, beantworte erst die folgenden Fragen, um das auch sicher behaupten zu können:

  • Kennen sie dich/deine Firma?
  • Wie viel wissen sie bereits über dein Unternehmen/dein Produkt?
  • Was interessiert sie?
  • Welches Image möchtest du ihnen gegenüber vermitteln?

Vermutlich hast du auch verschiedene Zielgruppen, die angesprochen werden sollen –  z. B. schon vorhandenen Kunden und potenzielle Kunden. Beide Gruppen suchen auf der Website nach verschiedenen Informationen. Den Unterschied erkennen und darauf eingehen. So wird jeder schnell die Information finden, die er oder sie sucht. Hier ein Beispiel:

  • Neue potenzielle Kunden: Wenn es sich um einen Freelancer oder einen professionellen Service handelt, werden die meisten Besucher der Website neu sein. Das bedeutet, dass es eine Einleitung geben muss, in der herauskommt, wer du bist und welchen Service du anbietest. Wenn der Kunde erst einmal überzeugt ist, wird er vermutlich nicht mehr den Weg über die Website gehen, sondern den direkten Kontakt suchen.
  • Wiederkehrende Besucher: Falls es sich um eine Website einer Organisation mit einem Eventkalender oder einem Blog handelt, wissen die meisten Besucher schon, worum es geht und wollen Updates und News checken. In diesem Fall ist es nicht notwendig, sich an erster Stelle vorzustellen.
  • Eine Mischung aus beiden: Wenn es sich um einen Onlineshop oder einen Blog handelt, werden sich neue und wiederkehrende Besucher vermischen. Das wiederum bedeutet, dass es ein Interface braucht, was für beide Gruppen funktioniert.
  • Falls du schon eine Website hast, besteht die Möglichkeit, mit Google Analytics herauszufinden, wie viel neue und wiederkehrende Besucher den Weg zu dir finden.

Ein Beispiel für den Umgang mit verschiedenen Zielgruppen ist auf dem Blog Dinner, A Love Story zu finden. Die Homepage wartet auf mit den jüngsten Blogposts und News. Die meisten Besucher gehen vermutlich geradezu zum zentralen Inhalt, weil sie die Seite einfach schon kennen.

durchdachter Blog: Dinner – a Love Story

Für ganz neue Besucher gibt es im Menü auch den Punkt „First Time Here?“ – Zum ersten Mal hier? Dieser Link führt auf eine Willkommensseite mit der Hintergrundstory der Bloggerin, FAQs, Leseempfehlungen und Anmeldelinks für den Newsletter.

Auf der Homepage werden also eher die wiederkehrenden Besucher angesprochen. Sie bietet aber trotzdem die Möglichkeit zum Orientieren und kennenlernen.

Es kann passieren, dass sich die Zielgruppe über die Zeit verändert. Es ist also immer schlau, da am Ball zu bleiben und immer mal wieder zu checken, ob die Seite noch mit den Interessen der Besucher übereinstimmt.

2. Was sind die ersten 3 Dinge, die der Besucher auf deiner Website tun soll?

Sobald die Zielgruppe bekannt ist, wird auch klar, was die User auf deiner Seite eigentlich tun werden.

Einige Webentwickler fangen mit der Frage nach dem Ziel der Website an. Das ist allerdings sehr weit gefasst. Ein Ziel kann es sein, Kunden zu erlangen, Information zu verbreiten, Geld zu machen, die Welt zu erobern etc. Aber das ist zu unkonkret, wenn man eine Website plant.

Eine bessere Formulierung ist: Was sollen die Besucher auf deiner Website tun? Es ist eine harmlos wirkende Frage, die aber die Konversation über die Ziele der Website wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Und die Idee dahinter ist es, 3 Punkte zu priorisieren. Nicht einen. Nicht 10. Drei!

Beispiele für mögliche Antworten:

  • Anmeldung zum Newsletter
  • Spenden
  • Den Wunsch haben, alles kaufen zu wollen
  • Dich kennenlernen
  • Das Produkt verstehen
  • Wissen, wo man dich findet/kontaktiert
  • Arbeitsbeispiele ansehen
  • Lesen deiner jüngsten Ankündigungen
  • Herunterladen deines neusten Songs

Alles, was es nicht auf die Top-3-Liste schafft, kann trotzdem miteinbezogen werden, soll aber nicht im Fokus stehen. Wenn deine Liste einfach nicht kleiner als 10 Punkte wird, erwartest du vermutlich etwas zu viel von deinen Besuchern. Wenn es zu viele Optionen gibt, werden die Besucher nicht finden, wonach sie suchen, was dazu führt, dass sie die Seite schnell wieder verlassen.

Weitere Gründe, diese Frage zu beantworten:

  • Der Sache einen Rahmen zu geben und den Fokus auf das legen, was der User sucht. Das bedeutet natürlich nicht, dass du nur drei Dinge anbieten solltest. Es bedeutet nur, dass du drei Dinge auswählst, die hervorgehoben werden sollen und auf die man einfach zugreifen kann. Das bewahrt dich vor einem „beliebten“ Fehler: Zu viele Punkte ins obere Menü zu stopfen.
  • Es hilft dir, die Dinge aus der Perspektive deiner User zu betrachten. Das nennt sich User-Centered-Design und bedeutet, dass das Design auf den Erwartungen und Bedürfnissen der User aufgebaut ist und man nicht versucht ihnen etwas Neues beizubringen. Die Bedürfnisse der Besucher zu berücksichtigen, wird zu einer Website führen, die für die Zielgruppe einfach zu händeln ist und nicht auf deinen Interessen beruht.
  • Die Antwort hilft dir dabei, dein Minimalprodukt zu definieren – was ist essenziell nötig, damit deine Seite erfolgreich wird? Diese Herangehensweise hält dich davon ab, in Details oder sinnlosem Seitenfüllen stecken zu bleiben, bevor es eigentlich losgeht.

Bei Kickstarter kann man diese Praktik live und in Farbe sehr schön beobachten:

Homepage von Kickstarter.com

Kickstarter beispielsweise möchte, dass seine User drei Dinge tun: 1. Projekte durchstöbern, 2. ihre eigenen Projekte starten und 3. nach einem bestimmten Projekt suchen. Es geht ihnen nicht darum, alles, was die Seite hergibt, auf einmal zu präsentieren, wie ihren Service kennenlernen, Videos ansehen, Blogeinträge lesen, sozial-mediales Folgen etc. Die Wichtigkeit dieser Optionen wurde entschieden zurückgenommen, indem sie weiter unten auf der Seite platziert sind. Aber der Fokus liegt in dem Bereich, den man zuerst auf der Seite wahrnimmt: auf den 3 Haupt-Actions.

Ein weiteres gutes Beispiel: Artistic Dry Cleaners. Was ist das Allererste, was die Besucher dieser Seite tun wollen? Sie wollen herausfinden, wo man die Reinigung findet.

Die Besucher ihrer Seite können die Adresse und die Telefonnummer nicht verfehlen, denn beide Informationen sind im Header unübersehbar platziert. Des Weiteren wollen die Leute sicher wissen, welchen Service sie genau anbieten. Bääähm! Diese Information steht direkt unter dem Header. Und genau darunter ist eine Karte zu finden und ihre Öffnungszeiten. (P. S.: Die Website verwendet Jimdo’s Zurich template).

Homepage Artistic Dry Cleaners

3. Mit welchem Material kannst du arbeiten?

Wenn du deine Arbeitsmaterialien zusammengetragen hast, wird es einfacher sein zu sehen, was noch fehlt und was für ein Minimalprodukt benötigt wird. Es wird auch deutlich, welche Materialien unnötig sind, weil sie nicht zu den Antworten von Frage 1 und 2 passen.

Bilder

Bilder machen eine Website. Durch Bilder können Stimmungen vermittelt, Texte gekürzt, die Leser bei Laune gehalten werden und oftmals sorgen sie dafür, dass Templates genial aussehen.

Ist das Bildmaterial vollständig und in der Qualität vorhanden, die für deine Zwecke benötigt wird? Vielleicht brauchst du Fotos für folgende Punkte:

  • Hintergrundbilder für deine Website
  • Produktfotos (hier ein einfaches Tutorial für gute Produktfotos (Englisch))
  • ein repräsentatives Foto von dir
  • Fotos vom Büro oder „Behind-the-Scenes-Aufnahmen“ auf der Über-uns-Seite schaffen Nähe zum Kunden – so kann der Kunde euch ein wenig kennenlernen

Zum Glück muss man diese Fotos nicht alle alleine schießen. Hier eine ständig wachsende Liste mit Websites, die qualitativ-hochwertige Stockfotos anbieten. Zusätzlich ist es heutzutage so einfach wie noch nie, erstklassige Bilder mit dem Smartphone zu machen. Vor allem muss sichergestellt sein, dass die Bilder für alle Bildschirmgrößen groß genug sind.

4_collage

Tipp: Verwende Bildmaterial vom selben Stil, um einen einheitlichen Look herzustellen.

Text

Denk dran, dass das, was du schreibst, nicht in Stein gemeißelt ist. Das Schöne an der eigenen Website ist, dass du sie immer wieder verändern kannst – auch den Text.

Vermutlich brauchst du auch nicht annähernd so viel Text, wie du glaubst, dies zu tun. Die User werden ihn höchstwahrscheinlich nicht lesen. Das Lesen am Bildschirm ist mental und physisch einfach anstrengender als von einem Blatt Papier. Und man tendiert dazu, das Gelesene eher zu vergessen.

Versuch also nicht, zu viel zu schreiben, bevor mit dem Kreieren der Website begonnen wird. Text, der in einem Word-Dokument oder in einer Broschüre normal wirkt, kann am Bildschirm viel zu lang sein.

An einer Stelle sollte aber nicht mit Text geknausert werden: im Über-uns-Teil. Dort kannst du die Geschichte erzählen, die deine Firma einzigartig macht.

Hier gibt’s noch mehr Tipps darüber, wie man gute Texte für Websites schreibt und auch darüber, wie man seine Texte profimäßig Korrektur liest.

Extras

Sobald das Bildmaterial und die benötigten Texte bereitliegen, kann man über weitere Elemente nachdenken:

Obacht! Wenn diese Add-ons nicht direkt mit deiner Zielgruppe und den Top-3-Actions zu tun haben, sind sie wahrscheinlich nicht notwendig, um mit deiner Website zu starten.

Hier eine Infografik über die Anatomie einer Business-Website für mehr Informationen zu den einzelnen Parts einer Website.

Radikal rausschmeißen – „Kill Your Darlings“

Unter Autoren ist es ein alter Hut: Manchmal muss man seine liebsten Passagen für das höhere Wohl des gesamtes Werkes rausschmeißen.

Das Gleiche gilt für Websites. Vielleicht hast du Material, das du einfach unbedingt auf deiner Seite zeigen willst: Fotogalerien von jedem Event, das du veranstaltet hast, Widgets und Pop-ups, die unglaublich vielversprechende Dinge tun können, Hunderte von Arbeitsbeispielen … Wenn du diese Elemente aber mal aus einem kritischen Standpunkt betrachtest und dich an deine Zielgruppe erinnerst und was du von ihnen willst, kommst du eventuell darauf, dass du diesen Schnickschnack gar nicht brauchst. Ich verspreche dir, wenn du diese Dinge eliminierst, wird deine Website klarer, besser und erfolgreicher werden.

Für noch mehr Struktur in deiner Vorbereitung, schau dir in diesem Post  an, wie man einen komplett ausgewachsenen Site-Plan erstellt.

Eine gute Grundlage für deine Website erstellen

Versuch dich also mal an diesen drei Fragen und denk dran, dass jede Antwort mit einfließt und die nächste Frage mit Input versorgt:

  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Was sind die Top-3-Actions, die meine Besucher tun können müssen, wenn sie die Seite besuchen?
  • Welches Material ist mir gegeben?

Websites können und sollten sich über die Zeit entwickeln – es muss nicht alles schon fertig sein, bevor man anfängt. Aber wenn man weiß, wer die Seite aufsuchen wird, und was er oder sie dort tun soll, werden der Inhalt, die Struktur und andere Elemente ihren logischen und sinnvollen Platz erhalten. Und das ist der Zeitpunkt, an dem der Spaß erst richtig losgeht!

Habt ihr noch andere Tricks auf Lager, um eine bessere Website zu erstellen? Sagt uns in den Kommentaren, was ihr denkt!

Dieser Artikel wurde ursprünglich für Jimdo von Maggie Biroscak verfasst. Mit einem einfachen und intuitiven Interface befähigt Jimdo jeden dazu, eine Website mit einem Blog und einem Onlineshop zu erstellen.