Ganze egal ob das Brauen von Craft Beer (auch handwerklich gebrautes Bier) ein Hobby oder das Vollzeitgeschäft ist – das Aussehen der Flasche beeinflusst Biertrinker bei der Bierverkostung mehr als man denkt. Amerikanisches Craft Beer – vom Verband Brewers Association als “familiär, unabhängig und traditionell” beschrieben – plädiert für raffinierte und stylische Bieretiketten, die sich von den großen industriellen Marken abheben. Statt einem langweiligen Schriftzug auf einem Standardetikett, erschaffen Mikrobrauereien eine unverwechselbare Corporate Identity für jede aufkommende neue Biersorte.  Stellt es euch so vor: Etiketten haben einen sehr großen Einfluss auf die wahrgenomme Qualität von Craft Beer, deshalb legen Mikrobrauer viel Wert auf die Gestaltung von Craft Etiketten.

Den Unterschied zwischen industriellen Marken und kleinen Brauereien sieht man auf den ersten Blick:

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Craft Beer liegt im Trend und somit auch die Kreation von auffälligen und besonders kreativen Bieretiketten. Hier sind 5 Design-Tipps, die jeder Brauer bei der Erstellung der eigenen Bieretiketten im Hinterkopf behalten sollte.

1. Verschafft Euch ein Grundwissen der Craft Beer Geschichte

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Bild: Brewers Association

Wenn man versteht, wie Mikrobrauereien entstanden sind, können die Branche und die Menschen die dahiner stehen viel besser eingeordnet werden. Aus diesem Grund starten wir mit einem kleinen historischen Rückblick.

  • 1840 wurde das erste amerikanische Bier außerhalb von den herkömmlichen kolonialen Biersorten vorgestellt
  • 1865 gab es in Amerika ca. 2250 Brauereien, doch im Jahr 1915 waren nur noch um die 1400 aktiv. Die Bierproduktion an sich wuchs jedoch um 40%.
  • Verbote in den 20er Jahren brachten einen großen Einsturz für die Brauereien. Im Jahre 1979 waren nur noch 89 übrig. Dennoch wurde immer mehr Bier produziert!
  • Seit 1985, schlagen amerikanische Bierbrauereien zurück – es gibt mittlerweile um die 2400 Stück im Land.
  • Fun Fact: Das erste kommerzielle Bier kam 1935 auf den Markt. Sixpacks wurden ab den 40er Jahren eingeführt, da eine Studie feststellte, dass dies genau die richtige Menge ist, die eine Hausfrau gut nach Hause tragen konnte.

Wie helfen diese Informationen jetzt bei der Erstellung von Bieretiketten? Zu allernächst kann man Stolz darauf sein, dass die Bierbrauereien sich wieder etabliert haben. Zudem liefert der Hintergrund ein paar kreative Ideen für den Designprozess. Was genau sollen Leute mit Eurer Marke und Eurem Bier assoziieren und woran sollen sie sich erinnern?

2. Macht Euer Branding einzigartig

Es gibt den Ausdruck “purple cow” aus Seth Godins gleichnamigen Buch. Dort sagt er: “Der einzige Grund heute keinen Erfolg zu haben, ist langweilig zu sein. Die einzige Chance erfolgreich zu sein, ist aufzufallen.” Purple cow Branding ist also die Philosophie und Praxis sich von der Monotonie anderer abzuheben. Stellt Euch einfach eine lila Kuh unter vielen braunen Kühen vor – das macht alles schon ein wenig klarer, oder?

Effektives Branding braucht ein spezifisches Publikum: eins, das statt auf den Preis sein Hauptaugenmerk auf das Produkt und dessen Werte legt. Craft Beer Verbraucher sind dafür ein gutes Beispiel. Sie nehmen extrem auffallende Designs ab vom Mainstream wahr, ganz egal ob diese hip oder ein wenig bodenständiger sind. Auch sind sie in der Regel mehr im Bilde über die Zutaten und den Brauprozess ihres Biers, als die übliche Masse der Standardbiertrinker, was sie wiederum von diesen abhebt.

Zum Beispiel haben die meisten Biertrinker schon einmal das Wort “Hopfen” gehört, können aber so gut wie gar nicht beschreiben, was Hopfen eigentlich genau ist. Aus diesem Grunde ist Hopfen auf den meisten Bieretiketten großer Marken nicht zu sehen – die Kunden achten hier nur auf die großen Markennamen und weniger auf die Zutaten, den Brauprozess oder die Bierart. Bei Craft Beer Etiketten ist alles möglich und der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

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Gewinnerdesign von Multipraktik für den Stöfflbräu Design-Wettbewerb.

3. Erschafft Kombinationen des Designs

Drei Dinge, die man beim Design mit einbeziehen sollte sind Bierarten, saisonale Bedingungen und Events. Diese drei Elemente beeinflussen den gesamten Brauprozess, ausgehend vom Konzept bis zum Etikettendesign. Anstatt der Kreativität Grenzen zu setzen, können Kombinationstheorien eine große Hilfe im Brainstormingprozess sein. Eine kleine Übersicht:

Arten: Es gibt zwei Hauptarten von Bier: Ales und Lagerbiere und darüber hinaus noch zahlreiche Varianten von ihnen. Das Imperial Pumpkin Ale von Weyerbacher Brewing Co. zeigt, wie eine bestimmte Bierart sich bestens für ein auffallendes und cleveres Design eignet:

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Bild: Weyerbacher

Das Zepter, die Krone und der Umhang stellen das Wort “Imperial” dar, welches auch die Bezeichnung der Bierart ist. (Hier könnt ihr mehr über die Entstehung von Imperial Bier lesen.)

Saisonale Bedingungen: Kennt ihr die Aussage “nur einmal alle Jubeljahre”? Viele Biere gibt es nur für eine bestimmte Saison, wie die Pumpkin Ales. Denkt an Herbst- und Winterbierfeste, Wassermelonenmischungen und Sommer Ales. Ergreift die Chance, um saisonale Themen in ihrem ganzen Potenzial auszunutzen. Saisonale Biersorten sind wie geschaffen für kreatives Branding.

Events: Für Mikrobrauer, die Bier für ein Event, wie eine Hochzeit oder eine andere Feier, brauen, ist ein persönliches und kreatives Etikett die beste Idee. Neben ausgefallenen grafischen Elementen, kann man durchaus auch die Möglichkeit nutzen, Fotos zu implementieren. Dies ist die Chance, sich richtig auszuleben – nutzt sie!

4. Beachtet die Details

Hauptetikett: Verschiedene Designelemente zu benutzen, kann hier eine große Auswirkung haben. Wenn man das alltägliche Etikett durch eine Sonderversion bzw. Limited Edition ersetzt, kann dies durchaus Umsatz schaffen, auch wenn die Biersorte selbst nicht saisonal ist. Und wenn ihr einen genauen Blick auf das untere Beispiel werft, seht ihr, dass die obere Seite des Etiketts für jede Bierart andere Designelemente enthält. Dezent, aber kraftvoll!

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Gewinnerdesign von gled für den 99designs’ Red Rock Brewery Wettbewerb

Flaschenhalsetikett: Bieretiketten sind nicht nur auf den zentralen Körper der Bierflasche begrenzt. Die Flaschenhalsetiketten von Odell Brewing zeigen, wie ein einzigartiges Flaschenhalsetikett hilft, die Brand Identity des jeweiligen Rezeptes zu verankern.

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Images via Odell Brewing Co and BSP Radio

Kronkorken: Der Kronkorken gehört zum Branding dazu und sollte nicht vergessen werden – es ist ein Bereich, in dem Craft Beer-Brauer von den großen Marken lernen können. Dieser skurile Bierdeckel (oben rechts) beinhaltet ein Bilderrätsel.

5. Gestaltet das Design-Briefing klar und informativ

Ein gutes Design-Briefing sollte den Designern genau sagen, was ihr gerne erreichen wollt. Gebt Informationen über Eure Zielgruppe, die Bierart, den Brauereiort und die Geschichte – alles was Eurer Meinung nach relevant für die Designer ist.

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Gewinnerdesign von Milovanović™

Fügt auch Beispiel-Etiketten, die euch gefallen sowie Farbmuster, Mock-ups, etc. hinzu, um die Designer zu informieren und zu inspirieren.

99designs hat bereits hunderte von Bieretiketten Design-Wettbewerben durchgeführt. Hier könnt ihr euch diese anschauen (und deren Briefings durchlesen).

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Gewinnerdesign von Nowitza für 99designs’ Excel Bottling Co. Wettbewerb.

Diese Bieretiketten Design-Tipps können Euch bei der Herstellung Eurer eigenen Etiketten helfen. (Und falls ihr zufällig auch Wein selber macht – gibt es hier auch interessante Designs zu entdecken! In unserem Blogbeitrag über Weinetiketten Design erfahrt ihr mehr.)

Prost!