Wer aus dem Weingewerbe kommt, hat wahrscheinlich schon auf mehr Weinetiketten geguckt, als andere Leute in ihrem ganzen Leben. Daher könnte man meinen, dass jeder bereits genaue Ideen für das Weinetikettendesign der eigenen Marke hat. Warum empfinden aber gerade Weinhersteller das Finden des richtigen Logos oft als eine Herausforderung? Die meisten Dinge, die einfach erscheinen, sind am Ende eben schwieriger als gedacht.

Dies muss nicht immer der Fall sein – und wir haben ein paar gute Gründe dafür parat! Am besten einfach mit einem Glas des Lieblingsweins, einem Stift und einem Blatt Papier (Brainstorming ist der Schlüssel zum Erfolg) weiterlesen und die kommenden 5 Tipps für die nächsten Design-Projekte festhalten, inklusive Beispielen von erfolgreichen Weinetiketten Wettbewerben bei 99designs zur visuellen Inspiration.

1. Alleinstellungsmerkmal finden

Was unterscheidet den Wein von allen anderen Weinen? Was sind die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens? Das Weinetikett ist die ideale Werbefläche – ein potenzieller Verbraucher inspiziert das Etikett allerdings nur für wenige Sekunden, um dann die finale Wahl zu treffen. Aus diesem Grund braucht man ein aussagekräftiges Alleinstellungsmerkmal – und das müssen auch die Designer kennen.

Man könnte ungefähr so loslegen: Wenn das finale Design genau 3 Dinge vermitteln soll, die den Kunden näher an den Wein und das Unternehmen bringen, welche wären es? Gibt es eine einzigartige Philosophie, Methode oder außergewöhnliche Sorten? Ist es vielleicht die Herkunft, die Herstellung oder der Ort des Weins, der ihn von anderen unterscheidet?

Die Kommunikation von ein paar Kernaussagen ist sehr viel effektiver als der Versuch, so viel wie möglich zu vermitteln. “Weniger ist mehr” ist das ideale Mantra, wenn es um die Erstellung des Design-Briefings und letztendlich um die Vorstellung des perfekten Weinetiketts geht.

Folgende Punkte könnten zum Beispiel ein Alleinstellungsmerkmal bilden:

  • Mein Mann und ich haben unsere Firmenjobs gekündigt, um eine Weinerei ganz von vorne anzufangen, damit wir unser Leben und unsere Leidenschaft voll und ganz genießen können
  • Unser Wein ist freundlich und für jedermann zugänglich, von Weinneulingen bis hin zu Weinsnobs
  • Wir benutzen nur Bio-Weintrauben

Sobald die Alleinstellungsmerkmale festgelegt wurden, muss man darüber nachdenken, wo die Informationen am besten übermittelt werden könnten. Ist das Design und der Text direkt auf der Vorderseite dafür geeignet? Oder wäre ein erläuternder Text auf der Rückseite besser? Auch wenn man sich jetzt noch nicht sicher ist, ist das an diesem Punkt völlig in Ordnung.

Weinetiketten Design

Mit diesem verspielten Design, spricht Flogites Etikett Verbraucher mit einem weniger strengen Umgang mit Wein an. Gleichzeitig ist es aber ein sehr einfaches und klares Design, welches perfekt die Werte des Unternehmens wiederspiegelt. Gewinnerdesign von Magdalene.

2. Zielgruppe definieren

Man sollte sich im nächsten Schritt fragen: “Für wen erstellte ich das Etikett?” Sofern die Weinherstellung nicht nur als Hobby für Freunde und Verwandte gedacht ist, sollte die Antwort die Kunden betreffen. Die Weinherstellung ist zwar eine sehr persönliche Leidenschaft, dennoch sollte das Etikett nicht nur eine Reflektion der eigenen Persönlichkeit und Interessen sein. Vielleicht findet man die Idee den eigenen Hund auf dem Etikett abzubilden interessant, aber wenn dann der potentielle Kunde ein Katzenliebhaber ist, wird dieser die Flache Wein wahrscheinlich nicht kaufen. Der Wein ist wie ein Geschäft, also sollte man es mit der Art eines Unternehmers angehen.

Wie kann man also sicher sein, wer zu der eigenen Zielgruppe gehört? Am besten fängt man einfach sich die eigenen Kunden bildlich vorzustellen. Falls es eine Frau wäre, wie sieht sie aus und wie alt ist sie? Wo arbeitet, shoppt oder macht sie Urlaub? Wo und unter welchen Umständen trinkt sie Wein? Hier ist Kreativität gefragt – man kann sie benennen, ein Bild von ihr zeichnen oder sogar eine Biographie entwerfen. Die Kernkunden auf diese Art und Weise zu identifizieren mag vielleicht albern scheinen, es wird aber dabei helfen, eine Flasche zu designen, die genau in deren Händen landen wird.

Dadurch können eigene Designvorlieben konkretisiert und von einer neuen Perspektive gesehen werden. Dieser Wandel im Denkprozess hilft dabei sich zum Beispiel folgende Fragen zu stellen: “Wie würde sich Jenny (37 Jahre alte Mutter von 2 Kindern aus Minnesota, die von einem Trip nach Paris träumt) mit einem braunen Etikett auf einer grünen Flasche fühlen? Würde Sie einen Vogel auf dem Etikett mögen?”.

Weinetiketten Design

Bei diesem minimalistischen und dennoch sehr anspruchsvollen Etikett, wurde die Marke in eine alte Wertmarke integriert. Der altertümliche Stil vermittelt hohe Qualität durch ein klaren und zeitlosen Ansatz. Gewinnerdesign von kto.

 

3. Was macht eigentlich die Konkurrenz?

Von welchen Etiketten fühlt Jenny sich angezogen? Mag sie die Sinnlichkeit eines schwarzen Etiketts mit goldener Schrift? Oder ein knackiges weißes Etikett mit bunten Farben? Welche Design-Elemente stechen heraus – zum Beispiel eine bestimmte Schriftgröße, ein zeitgenössisches Motiv, ein zentrales Bild? Und zuletzt, wie spielt das Etikett mit dem Preisschild zusammen?

Hier kommt es weniger darauf an, warum bestimmte Stile auf das Zielpublikum anziehend wirken. Es ist wichtiger Herauszufinden, was auf einem Etikett funktioniert und was nicht. Macht man hier Fotos oder Screenshots, kann man diese Notizen gleich für das Design-Briefing verwenden. Auf die Art und Weise kann man den Designern klar vermitteln, was vermieden werden sollte und welche Elemente wichtig sind.

Weinetiketten Design

Durch den Namen der Marke inspiriert, hat der Designer auf eine verspielte Weise zwei blinde Mäuse illustriert und einen besonderen Akzent durch die Implementierung von Brailleschrift gesetzt. Gewinnerdesign von Dizzinessdesign.

4. Die eigene Marke in 10 Worten

Im nächsten Schritt sollte man eine Liste mit einfachen Worten oder Sätzen erstellen, die einem einfallen, wenn man an die eigene Marke denkt. Dabei sollte man sich ungefähr 10 Wörter als Ziel setzen und einfach die ersten, die einem in den Sinn kommen aufschreiben. Die Liste könnte zum Beispiel so aussehen: sanft, überraschend, sonniger Tag im Park, schokoladenüberzogene Erdbeeren, Reife, Entspanntheit, ein Unterhaltungsanfang, ein kräftiger Burgunder, erschwinglicher Luxus.

Man kann selbstverständlich auch Freunde und Kollegen nach deren Ideen und Listen fragen. Wein wird oft in Gemeinschaft getrunken, also kann man immer auf die Meinungen anderer zurückgreifen. Dies ist ein guter Weg, Ideen und vielleicht ein paar konkretere Vorstellungen zu Größe, Form, Schrift und Bilder zu bekommen. Am Ende ist man dann vielleicht von der Vielfalt der Resultate überrascht und kann diese den Designern zur Inspiration geben.

Weinetiketten Design

Das Logo der Marke ist der zentrale Punkt in diesem sehr traditionell gehaltenen Design. Gewinnerdesign von SoulDriver.

5. Den Designern die richtigen Werkzeuge zur Verfügung stellen

Stattet die Designer mit einem guten Toolkit aus, welches den Wettbewerb unter den besten Voraussetzungen beginnen lässt:

  • Eine hochqualitative Vektordatei des Logos in AI oder EPS. Indem man den Designern eine Datei in hoher Qualität liefert, gibt man ihnen die Freiheit die Sie brauchen, um mit dem schon existenten Design zu arbeiten. Auch wenn das Logo nicht der zentrale Ausgangspunkt des Etiketts werden soll, ist es dennoch eine wichtige Inspirationsquelle.
  • Etikettengrößen. Hier kann man sich viel hin und her ersparen, wenn man bereit vorab alle Informationen liefert. Wenn man sich noch nicht sicher ist, sollte man wenigstens die ungefähre Form beschreiben – soll es ein Standard-Rechteck sein? Oder Oval? Ein Tier oder eine andere Silhouette? (Die letzteren sind etwas schwerer zu erstellen – aber es ist möglich)
  • Flaschenfarbe. Hellgrün? Dunkelgrün? Klares Glas? Die Farbe zählt!
  • Produktdaten. Hier sollte man dem Designer alle Textdetails geben, die auf dem Etikett erscheinen sollen (Alkoholprozente, Jahr, Traubensorte, Bezeichnung etc.) und zudem, ob es bereits eine bevorzugte Schriftgröße gibt. Vergesst auch nicht das Rückseitenetikett – mit so vielen Angaben wie nötig.  
  • Beispieletiketten als Inspiration
Weinetiketten Design

Für ihren Wein “Baila”, setzt A La Vida auf das allumfassende Thema Romantik und setzt seine Herkunft durch eine beeindruckende Illustration in Szene. Gewinnerdesign von Tavernerraynes.

Nun hat man das Alleinstellungsmerkmal identifiziert, der Zielgruppe ein Gesicht gegeben, ein kritisches Auge auf die Konkurrenz geworfen und wichtige Produktdaten festgelegt. Nun hat man alle Informationen, um das Briefing zu schreiben. Das Briefing sollte deutlich, einfach und professionell sein. Man sollte Überschriften und Stichpunkte nutzen, um den Text ansprechend zu gliedern. Man kann auch einen Freund oder Kollegen über das Briefing lesen lassen – ein fremder Blick bewährt sich immer. Dann kann der Design-Wettbewerb gestartet werden!