Die Marke eines Unternehmens zu entwickeln bedeutet mehr, als ein Logo zu kreieren und ein Farbschema auszuwählen – das gilt natürlich auch für mittelständische Unternehmen. Viele Leute verwechseln Markenentwicklung mit Bildsprache, allerdings handelt es sich bei der Marke um das gesamte Produkterlebnis: von den wackligen Anfängen über das Produkt und die Angestellten bis hin zu den Kunden. Um die Marke komplett auszugestalten, folgt diesen 3 Schritten:

1. Die Geschichte der Marke entwickeln

Eine Marke ist die Botschaft der Firma, die über Jahre aufrecht erhalten werden kann. Und diese fängt bei der Geschichte an. Geschäftsinhaber eines Start-ups binden ihre Angestellten, Kunden und Investoren dadurch, dass sie eine persönliche Geschichte zu erzählen haben:

  • Wie kam es zu dieser Geschäftsidee?
  • Warum haben Sie sich dazu entschieden, sie umzusetzen?
  • Wo sehen Sie Ihre zukunft?

Wenn Angestellte auf Kunden treffen, müssen sie mit der Story verbandelt sein und sie bereitwillig teilen. Wie kann die Story so verpackt werden, dass Mitarbeiter und Kunden Lust haben, sie weiter zu erzählen? Hilfreich ist dabei die Vorstellung, dass das Unternehmen sich durch die Geschichte abhebt – das schürt Wettbewerbsfähigkeit.

Als Beispiele haben wir hier mal drei großartige Start-ups mit originellen Storys zusammengestellt. Innocent Smoothies wurde von drei Cambridge-Absolventen mit einem Budget von £500 (ca. 700 €), einem Rezept und einem Truck voll mit Früchten ins Leben gerufen. Abel & Cole haben ihr Wurzeln als Obst- und Gemüseverkäufer auf den holprigen Londoner Straßen. Ben and Jerry’s entwickelten sich von einem lokalen Business in Vermont zu einer globalen Größe und das nicht nur als brillante Eishersteller, sondern auch als Champion für Egalität.

Alle drei Unternehmen haben ihre Wurzeln in wahren Geschichten, alle wurden von Freunden entwickelt, die eine Leidenschaft für gutes Essen – speziell mit Bio-Qualität – haben, und alle haben eine Botschaft, die den Kampf von schlechten Essgewohnheiten bis hin zu sozialen Ungleichheiten umfasst.

 

Fall-Studie: Ben and Jerry’s

Ben and Jerry’s eröffneten ihren ersten Eisladen 1978 in einer renovierten Tankstelle in einer kleinen Stadt in Vermont. Dafür brauchten sie ihre Ersparnisse auf. Sie investierten in einen 5 USD teuren Fernkurs und fingen an, Eiscreme herzustellen. Von Anfang an wurde diese Geschichte gepaart mit dem Versprechen, sich um das Allgemeinwohl zu kümmern: „spreading peace, love and ice cream since 1978” (Frieden, Liebe und Eiscreme seit 1978) ist ihr Mantra.

Selbst nach 35 Jahren im Geschäft und der Übernahme von Unilever 2001 hält Ben and Jerry’s an seinen Kleinstadtwurzeln, seinem volksorientierter Ethos fest. Man kann sogar sagen, dass dieses Eiscremegeschäft Unilever zum Guten verändert hat.

Ben and Jerry’s hat über die Jahre viele Fälle unterstützt mit Schwerpunkt auf Umwelt und wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit. Ihre letzt Kampagne unterstützte das Abkommen über gleichgeschlechtliche Ehe in der UK mit einer Sonderedition: der Apple-y Ever After-Geschmacksrichtung. Dieses Engagement für das öffentliche Wohl ist der Schlüssel und die Mission der Firma:

Ben and Jerry's Missionen

Ben and Jerry’s haben ihre soziale Ader zur wiedererkennbaren Eigenschaft der Marke gemacht. Das kann jede andere Firma mit dem richtigen Bezug zur Unternehmensgeschichte auch. Es wird anderen helfen und beim Entwickeln einer klaren Identität und einer Unternehmensmission unterstützen.

2. Namensfindung

Es gibt nur eine Chance für den ersten Eindruck und für viele Kunden fängt die beim Namen an. In einem Start-up gefluteten Markt ist die richtige Namensgebung der Schlüssel zum Erfolg, wohingegen ein schlechter Name potenzielle Kunden direkt verschrecken kann.

Falls über ein Wortspiel oder einen bekannten Slogan nachgedacht wird, lieber die Finger davon lassen (Business Names – Inhalt auf Englisch). Der Name klingt jetzt vielleicht ganz gut, aber ob das in anderen Ländern auch der Fall ist? Da macht der Wortwitz eventuell gar keinen Sinn mehr.

Auch über die URL sollte man sich Gedanken machen. Wie sieht sie ausgeschrieben aus? Um zu testen, welche Wortkombinationen gute Resultate erzielen, kann der Name auf Google Adwords tool (später dann zum Keyword-Planner wechseln) getestet werden. Zusätzlich kann man so auch herausfinden, ob man in den Suchergebnissen auftauchen würde.

kleiner Witz am Rande :)

Drei klassische Fehler in der Namensgebung, die vermieden werden können:

  1. Web-2.0-Anhang – Der kriegt langsam einen Bart. Es gibt so viele 2.0 Namen für Unternehmen, dass die Bezeichnung quasi bedeutungslos geworden ist.
  2. Akronyme und Initialien – Diese Art von Namen schafft Probleme bei der Suchmaschinenplatzierung. Es ist viel schwieriger, eine Message rüberzubringen, wenn der Name nur aus drei Buchstaben besteht. (Okay, IBM hat’s gemacht, aber die haben auch Millionen in Werbung investiert.)
  3. Fade Beschreibungen – Ein Name, der einfach aussagt, was die Firma kann, ist nicht sehr fortschrittlich und schränkt ein beim Erobern neuer Märkte.

Einen Look definieren

Erst wenn die Geschichte und der Name bereit sind, veröffentlicht zu werden, kann man mit dem nächsten Schritt beginnen: Wie soll das Ganze denn aussehen? Die Story und das Produkt geben alles vor, sprich das Briefing für den Designer schreibt sich von selbst, nicht wahr … ? Falsch! Es gibt zahllose Optionen in Sachen Stil, Typografie, Farbschemen, Maskottchen, 3D usw. Um dem Designer zu helfen, muss Licht ins Dunkel gebracht werden. Ein ausführliches, durchdachtes Briefing beinhaltet folgende Punkte:

  • Deine Marke und dein Unternehmen – Ziele, Märkte, Orte und Zielgruppe darstellen
  • Branche und Konkurrenz – Die Geschmacksfrage: Welche Stile und Designs findet ihr gut und welche sind ein regelrechtes No-Go?
  • Werte, Gefühle und Botschaften – Was über dich/euch soll mit dem Design transportiert werden?
  • Farbe und Bildsprache – Farben, Bilder und Ideen, die eine Richtung oder ein Thema vorgeben, sind hilfreich. Auf Pinterest kann gesammelt werden und eine Umfragen-App wie diese kann Klarheit schaffen. Ein gutes Tool, um Farbschemen zusammenzustellen, ist Kuler von Adobe
  • Technische Daten – Liste alle technischen Daten auf, die vom Designer benötigt werden, wie Größe, Format oder Schriften. Falls man sich allein damit beschäftigen will, kann man auf ILoveTypography oder Da Font ein bisschen herumprobieren und und gucken, wie ein Text wirkt.

Falls nach all diesen Tipps immer noch kein Land in Sicht zu sein scheint, nicht verzweifeln. Manchmal hilft es, sich mehrere Ideen anzuschauen und zu gucken, was nachhallt. Eine Art, das zu tun, ist eine Gemeinschaft von Designern zu befragen, nämlich über Crowdsourcing-Plattformen. Oder schau bei YouTheDesigner oder anderen tollen Design-Blogs vorbei, um Inspiration einzuholen. Aber Vorsicht! Nicht gleich dem neusten Trend hinterhereifern. Innerhalb kürzester Zeit gibt es jede Menge Logos, die sehr ähnlich sind, und das Jahr danach wird es schon wieder alt aussehen. Trends kommen und gehen – zeitloses Design hält und hält und hält…

Farben bei denen man wissen muss, was man tut

Letztendlich gibt es keine strengen Regeln für mittelständische Unternehmen. Manchmal funktionieren auch grüne Logos mit pinken Streifen …

Kommt und schaut euch die schönsten Logos unserer Designer-Community an!