Seid Ihr Web-Designer? Wenn ja, dann seid Ihr auch Interface-Designer, und schon bald wird diese Rolle für Euch zunehmend wichtiger werden.

Während Websites heutzutage einfache User-Interfaces haben, die vor allem aus Navigation und einem Kontaktformular bestehen, werden neue Technologien und Standards eine Nachfrage für dynamischere und individuellere Erfahrungen mit sich bringen.

Dies bedeutet zwangsläufig eine intensivere Beschäftigung mit dem Thema Interface. Lasst uns deshalb einen Blick darauf werfen, was Ihr dabei unbedingt beachten solltet:

  1. Das Gesetz der Klarheit

Der User wird Interface-Elemente ohne einen klaren Sinn von vornherein nicht beachten.

User Interface Design

Nutzt Ihr Gmail? Ich tue es. Bis zum letzten Update hatte Gmail eine sehr klare Textnavigation oben auf der Seite — Kalender, Drive, Seiten und andere Google-Services standen sofort zur Verfügung, wenn man auf den entsprechenden Button klickte.

Dann entschied sich Google, dies alles zu „vereinfachen“ und hinter abstrakten Buttons zu verstecken. Das Ergebnis? Die meisten User bemerkten die Icons nicht einmal, und Gmail wurde von einer Flut von Support-Anfragen überschüttet.

Für gewöhnlich meiden und ignorieren Menschen Dinge, die sie nicht verstehen — das ist typisch für die menschliche Natur. Vermeidet es, Interface-Elemente zu entwickeln, die bei den Usern die Frage aufwerfen, was sie tun müssen, denn niemand wird sich die Zeit nehmen, es herauszufinden.

  1. Das Gesetz der bevorzugten Handlung

Der User wird sich wohler fühlen, wenn er versteht, welcher Schritt als bevorzugte Handlung gedacht ist.

User Interface Design

Werft mal einen Blick auf die oben gezeigte Twitter-Seite. Meint Ihr, dass neue User verstehen, was sie tun sollen?

Ganz offensichtlich sollen sie etwas twittern. Allerdings ist der Button mit der Anweisung „Was gibt’s Neues?“ nicht besonders eindeutig (siehe das Gesetz der Klarheit), und die Input-Box geht in ihrer optischen Umgebung eher unter. Vom Standpunkt des Designs aus betrachtet erscheint es fast so, als wolle Twitter entweder, dass die User etwas suchen oder von einer der Optionen im Navigationsmenü auf der rechten Seite Gebrauch machen, da diese Interface-Elemente am deutlichsten hervorstechen.

Die User sollten sich niemals fragen, was sie als nächstes tun müssen — der nächste Schritt sollte sich einfach von selbst erklären.

  1. Das Gesetz des Kontexts

Der User erwartet die entsprechenden Kontrollelemente in der Nähe der jeweils dazugehörigen Objektes.

User Interface Design

Wie ändert Ihr Euren Namen bei Facebook? Ihr geht auf „Einstellungen“ rechts oben in der Ecke, klickt auf „Kontoeinstellungen“, findet dort Euren Namen und klickt auf „Bearbeiten“. Und wie funktioniert genau der gleiche Vorgang bei LinkedIn? Ihr klickt auf den Bleistift direkt neben Eurem Namen.

Die User erwarten immer, Interface-Elemente direkt im unmittelbaren Kontext der Objekte vorzufinden, die sie kontrollieren möchten. Es ist wie im echten Leben: Wenn Ihr Popcorn machen wollt, geht Ihr zu eurer Mikrowelle und betätigt ganz einfach den Schalter am Gerät.

Es wäre nicht besonders praktisch, wenn Ihr von eurer Mikrowelle die Anweisung bekämt, erst mal die Treppen in den Keller hinunterzugehen, die Kellertür aufzuschließen, zum Sicherungskasten hinzugehen und den Schalter mit der Nummer G-35 umzulegen, um das Popcorn-Programm der Mikrowelle zu starten (was dem Beispiel der Namensänderung bei Facebook entsprechen würde).

Macht die Dinge für Eure User so einfach wie möglich – wenn etwas geändert oder auf andere Weise kontrolliert werden kann, platziert die entsprechenden Kontrollelemente in unmittelbarer Nähe.

  1. Das Gesetz der Standardeinstellungen

Der User wird bestimmte Standardeinstellungen kaum verändern.

Kommt Euch der oben verlinkte Klingelton irgendwie bekannt vor? Natürlich — denn das war einmal der beliebteste Klingelton auf der ganzen Welt. Warum? Es war ein Standard-Klingelton, und die meisten Menschen haben ihn nie geändert.

Standardeinstellungen sind sinnvoll:

  • Die meisten Menschen haben einen Standard-Hintergrund und Klingelton auf ihrem Handy.
  • Die meisten Menschen (auch Ihr) ändern niemals die Werkseinstellungen ihrer Fernsehgeräte.
  • Die meisten Menschen ändern niemals die Standardtemperatur ihres Kühlschranks.

Wir nehmen bestimmte Standards kaum zur Kenntnis, und doch beherrschen sie die ganze Welt. Vergewissert Euch deshalb, dass alle Standardwerte so nützlich und praktisch wie möglich sind — Ihr könnt davon ausgehen, dass die meisten User sie niemals ändern werden.

  1. Das Gesetz der geleiteten Handlung

Der User wird vermutlich nur dann etwas tun, wenn er dazu aufgefordert wird.

User Interface Design

Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Erwartung, dass User etwas von alleine tun und der spezifischen Anweisung, die entsprechende Handlung auszuführen.

Als zum Beispiel LinkedIn seine „Endorsement“-Funktion einführte, wurde nicht erwartet, dass die User selbst herausfinden müssen, wie diese zu bedienen ist. Stattdessen wurden deutlich sichtbare Call-To-Action-Banner erstellt, die direkt über den entsprechenden Profilseiten erschienen. Dies sorgte in Verbindung mit der Tatsache, dass Menschen gerne Bestätigungen zu Dingen abgeben dafür, dass diese Funktion zu einem riesigen Erfolg wurde.

Was lernen wir daraus? Wenn ihr möchtet, dass Eure User irgendetwas tun, dann gebt ihnen eine direkte Anweisung.

  1. Das Gesetz des Feedbacks

Der User wird sich sicherer fühlen, wenn Ihr ihm ein klares und durchgängiges Feedback gebt.

User Interface Design

Das ist einfache Logik — je mehr die User das Gefühl haben, dass Euer Interface ihnen eine Handlung vorgibt, desto sicherer werden sie sich fühlen.

Gmail ist ein großartiges Beispiel für gutes Feedback. Hier bekommt Ihr für jede ausgeführte Handlung eine klare Benachrichtigung, die auch Links zu weiteren Informationen sowie die Möglichkeit enthält, die entsprechende Handlung rückgängig zu machen. Hierdurch erhalten die User das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben und fühlen sich sicherer im weiteren Umgang mit dem Produkt.

  1. Das Gesetz der Vereinfachung

Der User wird sich eher dazu bewegen lassen, eine komplexe Handlung durchzuführen, wenn diese in kleine Schritte unterteilt wird.

User Interface Design

Vergleicht doch mal das Formular auf der linken Seite mit dem auf der rechten Seite. Beide haben eine ähnliche Anzahl von Feldern, und doch ist das rechte viel leichter zu handhaben.

Wir alle hassen es, lange und komplizierte Formulare auszufüllen, da diese uns langweilig, überfordernd und schwierig zu überprüfen erscheinen. Doch wenn Ihr diese Formulare in verschiedene Schritte unterteilt und einen Fortschrittsbalken anzeigt, dann erscheinen die Dinge plötzlich sehr viel einfacher.

Es ist das Gesetz der Vereinfachung — die Menschen werden eher 10 kleine Arbeitsschritte als einen riesigen Arbeitsschritt durchführen. Kleine Aufgaben wirken weniger einschüchternd und geben uns jedes Mal ein Gefühl der Bestätigung, wenn wir sie fertiggestellt haben.

Gesetze oder Richtlinien?

Nicht ohne Grund habe ich mich dazu entschlossen, das Wort „Gesetz“ in diesem Artikel zu verwenden: Ich habe noch nie einen Fall erlebt, in dem das Brechen dieser Gesetze ein vorteilhafteres Ergebnis hervorgebracht hätte als deren Befolgung.

Es gibt eine Bestrafung für den Bruch dieser Gesetze, und zwar in Form von schlecht gelaunten Usern, die sich über Euer mieses User-Interface beschweren.

Doch Scherz beiseite: User-Interface-Design ist eine sensible und sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Die oben stehenden Gesetze werden Euch dabei helfen, diese Aufgabe besser zu erfüllen, und wenn ihr Euch entscheiden solltet, diese Gesetze zu brechen, dann vergewissert Euch vorher, dass Ihr einen sehr guten Grund dafür habt.