Fingermalen in der Grundschule hat uns gelehrt, dass es drei Grundfarben gibt – Rot, Gelb und Blau – die zusammengesetzt drei Mischfarben ergeben – Orange, Grün und Violett – und (plus oder minus ein bisschen Schwarz und Weiß) jede andere vorstellbare Farbe.

Isaac Newton with rainbow hair
Portrait von Sir Isaac Newton von Godfrey Kneller. Großartigen Regenbogen-Hairstyling von Azael Carrera

Das sind sechs grundlegende Farben. Aber es gibt sieben Farben im Regenbogen, unserem wichtigsten Farbsymbol. Roy G. Biv: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett. Also ist Violett quasi unterteilt in Violett und einem mehr bläulichen Violett. Wer verflixt noch mal hat das entschieden?!? Und warum?

Die knappe Antwort: Isaac Newton. Und die Philosophie des antiken Griechenlands. Ähm, was?

Das sichtbare Spektrum

Farbenlehre ist ein bisschen komplizierter, als einfach die richtigen Fingermalfarben zusammenzumischen. Wir mischen Pigmente, indem wir die wohl verstandene, aber verwirrend benannte subtraktive Methode1 anwenden, welche Rot, Blau und Gelb als Grundfarben2 nutzt. Wir sehen Farben als Lichtwellen. Und Licht kombiniert Farben gemäß der additiven Farbmisch-Methode mit den Grundfarben3 Rot, Blau und Grün.

Was hat nun also Sir Isaac damit zu tun? Er war derjenige, der im 17. Jahrhundert entdeckt hat, dass, wenn wir mithilfe eines Prismas (oder Regentropfens) das weiße Licht brechen, ein sichtbares Spektrum farbigen Lichts erhalten (bekannt als Regenbogen).

visible spectrum of colored light

Wie du sehen kannst, verläuft im visuellen Spektrum jede Farbe in seinen Nachbarn. Es ist keine abgegrenzte Reihe von Farben, sondern eben ein Spektrum4. Aber Newton entschied, dass wir dieses Spektrum in Einheiten aufteilen sollten, damit wir leichter darüber reden können. Aber wie viele Teile sollte es geben?

Das antike Griechenland und die Magie der 7

Rainbow over the Acropolis
Via Reuters

Sieben bedeutet Glück. Zumindest wurde uns das in den westlichen Kulturen immer erzählt. Aber warum? Wir können die Wurzeln dieser Assoziation bis ins 6. Jahrhundert vor Christus und auf einen Typen namens Pythagoras5 zurückverfolgen. Nun, Pythagoras liebte Zahlen. Und er liebte es, Phänomenen Zahlen zuzuordnen. Man schreibt ihm die Entdeckung der Tatsache zu, dass Musiknoten (von denen es sieben gibt) in mathematische Gleichungen übertragen werden können und er hatte eine Theorie, wie die Himmelskörper (von denen seinerzeit sieben bekannt waren) sich nach mathematischen Mustern bewegten.

Bemerkst du ein Muster? Pythagoras tat dies: Seine Beobachtungen zeigten, dass 7 eine magische Zahl war, die irgendwie grundverschiedene Phänomene verband. Des Weiteren sah er es als die Summe des Spirituellen (3) und Materiellen (4).

Pythagoras gründete auch eine Schule und die Ideen, die er unterstützte, wurden zu einer Philosophie namens Pythagoreismus, welcher auf Mathematik und Mystik basierte. Pythagoreismus beeinflusste einige der bekanntesten klassischen Denker, einschließlich Aristoteles und Plato.

Und daher haben wir heute sieben Tage in einer Woche, sieben Freie Künste, sieben Todsünden, sieben Weltwunder und die sieben Zwerge.

Wie kam es nun zum Regenbogen?

Der Kreis von Pythagoras zu Newton

Newton's color circle
Newton assoziierte nicht nur Farbe mit Musik, sondern er nahm an, dass das Farbspektrum zyklisch war wie Oktaven. Via Wikipedia.

 

Der pythagoräische Philosoph Philoalaus ist der erste bekannte Mensch, der behauptete, dass die Erde sich um ein „zentrales Feuer“ drehte (und nicht alles die Erde umkreiste). Diese Theorie wiederum wurde von Kopernikus genutzt, dem weitgehend die heliozentrische Theorie der Planetenbewegung zugesprochen wird. Und Newton vertraute auf die Arbeit von Kopernikus, als er sein Gravitationsgesetz entwickelte.

Kurz gesagt, Newton fand Pythagoras Ideen ziemlich gut.

Als er seine Arbeit mit den Farben begann, unterteilte er das Spektrum ursprünglich nur in fünf Farben (Rot, Gelb, Grün, Blau und Violett), aber revidierte die Zahl auf Sieben, indem er Orange und Indigo ergänzte, denn Pythagoras glaubte, dass es einen Zusammenhang zwischen Farbe und Musik gab. Und es gibt sieben natürliche Noten, also sollte es auch sieben wesentliche Farben geben.

Mathematik, Musik, Numerologie und ein paar alte Wissenschaftler. Das also ist der Grund, weshalb es sieben Farben im Regenbogen gibt.

1. Es heißt subtraktiv, weil man Farbe „abzieht“, während man Farbe hinzufügt. Je mehr Farbe man hinzugibt, umso dunkler wird es. Wenn man alle drei Farben mischt, erhält man theoretisch Schwarz, das kein Licht mehr abstrahlt.↩ 
2. Um die Dinge noch verwirrender zu machen, wenn es ums Drucken geht – welches subtraktives Farbmischen nutzt – nennt man die Grundfarben CMYK: Cyan (ein Blauton), Magenta (ein Rotton), Yellow (Gelb) und Black (welches K gennant wird, weil die „k“ey plate (Druckplatte) in einem Drucker mit schwarzer Tinte gefüllt wird)
3. Additiv, weil man Licht hinzufügt. Und wenn man alle Farben mischt (oder Wellenlängen), ergeben sie Weiß.
4. Wenn du mehr wissen willst, auf Wikipedia gibt es eine großartige Tabelle mit den wichtigen Spektralfarben und ihren Wellenlängen.
5. Jap, der selbe Wissenschaftler, der sich a2+b2=c2 ausgedacht hat.