Es gibt ein paar Dinge im Leben, die sich nie ändern: der Tod, die Steuern und die gute alte Einstiegsfrage beim Kennenlernen „Und was machst du so?“.

Ein UX Designer mag darauf antworten:

„Mein Job ist es, in das Gehirn des Nutzers einzudringen. Ich muss Design mit den Augen eines Nutzers (bzw. vieler verschiedener Nutzer) sehen und potenzielle Probleme oder Unklarheiten bereits im Keim ersticken.“

Es handelt sich hierbei um einen niemals endenden Prozess, bei dem die Position des Users immer mitgedacht werden muss – sowohl vor, während und auch nach dem Gestaltungsprozess. Es ist immer wieder eine große Herausforderung, die Haltung des Nutzers einzunehmen und drohende Deadlines oder limitierte Budgets machen die Aufgabe nicht unbedingt leichter.

Um euch zu helfen, euer Produkt auf die richtige Spur zu bringen, haben wir eine Liste von 5 Prinzipien zur User Experience erstellt. Diese eurem Team zu erklären und zu diskutieren, ist wichtig. Wenn sie verstehen, warum und wie man nutzerorientierte Entscheidungen trifft, so werden sie auch damit einverstanden sein, sie im Produkt zu verankern.

1. Eingängigkeit

Digestibility

Gutes Design kann einfach und unmittelbar verstanden werden. Das Gehirn sollte nicht Unmengen an Energie aufwenden müssen, um zu begreifen, was es gerade sieht. Wenn man es richtig macht, kann es auch ohne mehrseitige Gebrauchsanweisung einfach verstanden werden.

Dabei geht es um mehr als um eine klare Ausdrucksweise. Manchmal müssen Menschen bei ihren Entscheidungen begleitet werden. Ein Menü mit zwölf gleichwertig dargestellten Unterpunkten kann zum Beispiel schnell abschreckend wirken. Stattdessen kann man dem Nutzer helfen, indem man wichtigere Elemente hervorhebt (durch Farbe, Größe oder mit Hilfe von Icons) und es ihm somit leichter macht, schneller zu finden, was er sucht.

Ein weiteres hilfreiches Beispiel für eingängiges Design ist die neue Benutzerführung. Diese tritt meist in Form von Tipps in Erscheinung, die dem Nutzer nach und nach angezeigt werden, sodass er sie schrittweise verarbeiten kann. Stellt euch im Gegensatz dazu eine umfangreiche Bedienungsanleitung vor, der sich der noch unwissende Nutzer losgelöst vom Produktkontext annähern muss. Klingt nicht sehr angenehm, oder?

Die kognitiven Ressourcen des menschlichen Gehirns pro Tag sind begrenzt. Versuchen wir also, diese nicht unnötig zu strapazieren.

2. Klarheit

Clarity

Gutes Design ist ehrlich. Der Nutzer muss nicht nur die Worte eures Werteversprechens verstehen, sondern er sollte den tatsächlichen Wert erkennen. Von verschleierten oder ungenauen Darstellungen eines Produkts hat sich noch niemand überzeugen lassen.

Das gilt auch bei den Preisen. Hier sollte Klarheit an erster Stelle stehen. Wenn ein User nicht klar und deutlich sieht, wie viel er bezahlen muss, so wird er niemals den „Kaufen“-Button anklicken. Kostenfreie Testabos, die nach Ablauf der Testfrist automatisch kostenpflichtig werden, mögen vielleicht inzwischen Gang und Gäbe sein, zeichnen sich aber mit Sicherheit nicht durch besondere Beliebtheit bei den Kunden aus.

So simpel das auch klingen mag: im Grunde reicht es, eine einzige goldene Regel zu befolgen. Erklärt die Dinge so, wie ihr sie erklärt bekommen wollt. Seid dabei so aufrichtig wie nur möglich. Ihr wisst, was ihr von dem gewählten Produkt erwarten würdet, also achtet darauf, diese Erwartungen auch zu bedienen.

3. Vertrauen

Trust

Gutem Design kann man einfach vertrauen. Versucht, so gut wie möglich zu erklären, weshalb der nächste Schritt notwendig ist, bevor ihr den Nutzer dazu bringt ihn durchzuführen. Aufrichtige und deutliche Erklärungen bauen schrittweise Vertrauen auf und machen es letzten Endes einfacher, Kaufentscheidungen positiv zu beeinflussen.

Nehmen wir uns die Mitfahr-App Uber zum Beispiel. Dieser App ist es gelungen, ein 100 Jahre altes Business auf den Kopf zu stellen und das nur, weil sie es ihren Nutzern so einfach machen. Die App speichert die Zahlungsinformationen des Nutzers und ermöglicht so eine vertrauensvolle und unkomplizierte Zahlung. Nebenbei wird das unangenehme Thema der Zahlung zwischen zwei Fremden geschickt umschifft.

Wer es schafft, Zweifel aus dem Weg zu räumen, erleichtert seinen Kunden den Entscheidungsprozess. Je weniger Ressourcen euer Produkt erfordert, desto einfacher und angenehmer wird die Nutzung.

4. Vertrautheit

Familiarity

Revolutionäres Design ist toll, aber Design, dass zur Kaufentscheidung führt, ist besser. Neue Frameworks und abgefahrene Plugins mögen auf Dribbble ganz nett aussehen, aber wenn sie nicht dazu führen, dass eure Kunden den „Kaufen“-Button betätigen, so nützt das wenig.

Richtlinien auf einer Plattform existieren nicht ohne Grund. Natürlich wäre es am besten, wenn sich euer Produkt auf allen Kanälen exakt gleich darstellen würde. Dennoch sollte man bedenken, dass jedes Betriebssystem seine Eigenheiten hat, die nicht zu umgehen sind. Es ist aber trotzdem möglich, bei den Nutzern ein vertrautes Gefühl zu vermitteln, indem ihr auf bestimmte Icons, vertraute Design-Muster oder einen bestimmten Präsentationsweise zurückgreift.

Indem ihr eure Lösungen auf den jeweiligen Endgeräten testet, könnt ihr sicherstellen, dass sich überall dasselbe vertraute Gefühl einstellt. Hier kann ein Tool wie InVision weiterhelfen. Sich in den Nutzer hineinzuversetzen, ist nicht leicht. Man muss es sich nicht noch schwerer machen, indem man so tut, als würde man ein bestimmtes Gerät zu benutzen.

5. Begeisterung

Delight

Es heißt, eine gute Idee würde heutzutage nicht mehr reichen. Entscheidend ist es, wie diese umgesetzt wird. Je mehr das Team in die Umsetzung investiert, desto weniger muss der Nutzer leisten. Wenn ihr es schafft, einem komplexen Produkt Leichtigkeit zu verschaffen, werden eure Nutzer von euer Lösung begeistert sein.

Das höchste der Gefühle ist jedoch, wenn der Produktcharakter eures Produkts in den Hintergrund gedrängt wird. Wenn es so nützlich geworden ist, dass man es nicht mehr als Produkt, sondern als hilfreiches Tool im Alltag begreift.

Versetzt euch in die Lage des Nutzers

Ein durchdachtes Produkt mit klaren Intentionen zeigt dem Nutzer, dass er wichtig ist. Das Treffen von Entscheidungen gestaltet sich angenehmer und führt zu einer besseren Gesamterlebnis. Dass dies extrem wichtig ist, zeigt sich anhand der Tatsache, dass 68 % der Nutzer aufgeben, weil sie das Gefühl haben, dass man sich nicht um sie schert. Und wir wissen, dass das nicht stimmt!

Es ist ganz einfach die User Experience eures Produkts zu bewerten, solange ihr ehrlich zu euch seid. Versetzt euch in die Lage des anderen und betrachtet jede Handlung aus der Sichtweise einer ermüdeten, resignierten Person. Würdet ihr den nächsten Schritt gehen?