Erinnerst du dich noch an das eine Mal, als du und deine vier ethnisch-diversen Freundinnen, die alle aussehen wie Models, auf einen Computer gezeigt und gelacht habt, als hättet ihr die beste Zeit eures Lebens? Nicht? Und wie ist es mit dem anderen Mal, als du und dein unrealistisch attraktiver Freund in irgendeinem zwielichtigen, aber gut ausgeleuchteten Restaurant wart, einen Salat zum Abendessen hattet und völlig grundlos vor euch hin gekichert habt? Du kannst dich überhaupt nicht daran erinnern? Vielleicht liegt das daran, dass echte Menschen so etwas nicht tun. Und trotzdem scheinen diese verlogenen Momente den Großteil der Stockfotos auszumachen.

Beige Suits, Inc. by LOLNEIN
Beige Suits, Inc. Via LOLNEIN.

Stockfotos und Stockbilder haben grundsätzlich einen schlechten Ruf und Seiten wie LOLNEIN machen sich über sie lustig. Aber die Wahrheit ist, dass es jede Menge Stockbilder gibt, die nicht abgedroschen sind, und diese sind für Designer und Unternehmen äußerst nützlich. Zunächst einmal sind sie sowohl günstiger als auch einfacher zu verwenden als selbst gemachte Bilder. Der Trick besteht darin, sie richtig zu verwenden. Aber wie genau machst du das?

In diesem Artikel erklären wir dir, wie du Stockfotos verwendest und – noch wichtiger – wie du sie nicht verwenden solltest.

Was sind Stockbilder?

Stockbilder sind allgemeine Fotos, Illustrationen und Symbole, die ohne ein bestimmtest Projekt im Hinterkopf erstellt wurden. Personen oder Unternehmen können dann eine Lizenz erwerben – in der Regel gegen eine Gebühr – um sie in Marketingmaterialien, auf Webseiten, für Verpackungen, Bücher und mehr zu nutzen.

Viele Plattformen für Stockfotos spezialisieren sich mittlerweile auf bestimmte Stile und Arten von Stockfotografie wie beispielsweise vielfältigere Stockfotos und realistischere, natürlichere Stockbilder.

Wenn du Fotograf bist und diesen Job Vollzeit ausüben möchtest, ist Stockfotografie ein guter Weg, um deine Arbeiten zu verkaufen, und kann dabei helfen, dein Einkommen zu steigern.

Sind Stockfotos effektiv?

Sie können es sein. Stockfotos werden deutlich vielseitiger, wenn du sie veränderst und personalisierst. Tatsache ist, dass Stockbilder am effektivsten sind, wenn sie nicht wie Stockbilder aussehen.

Vor ein paar Jahren hat der Blog Marketing Experiments die Performance von Stockbildern im Vergleich zu individuell angefertigten Bildern getestet. Sie fanden heraus, dass sich die Conversions um 35 % steigerten, wenn sie ein allgemeines Stockbild einer Frau gegen ein Foto des tatsächlichen Gründers (und eine Bildunterschrift mit seinem Namen) austauschten.

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Bist du genauso geschockt wie wir, dass nicht alle Stockfotos schrecklich sind? Via Mpumelelo Macu. 

Die Nielsen Norman Group unterstützt diese Daten. Ihre Eye-Tracking-Studien zeigten, dass Stockfotos im Vergleich zu Fotos echter Menschen größtenteils ignoriert werden, was darauf schließen lässt, dass der moderne Mensch eine Art „sechsten Sinn“ entwickelt hat, wenn es darum geht, Stockfotos von selbst gemachten Bildern zu unterscheiden.

Aber Stockfoto haben gegenüber individuell gemachten Bildern einen nennenswerten Vorteil – nämlich den Preis und die Benutzerfreundlichkeit. Du kannst in nur wenigen Stunden alle benötigten Stockfotos durchsuchen und herunterladen und sehr wenig dafür bezahlen, wenn überhaupt. Vergleiche dies mit individuell angefertigten Fotos, welche einen professionellen Fotografen, geplante Fotoshootings und manchmal auch Models erfordern. Die Menge an Zeit, Geld und Aufwand, die ein Fotoshooting erfordert, kann schnell ins Unermessliche steigen.

Der beste Weg, Stockfotos zu verwenden, besteht also darin, Stockfotos zu wählen, die realistisch aussehen. So erhältst du das Beste aus beiden Welten: Schnelle und einfache Bilder ohne den hohen Preis individuell angefertigter Fotos.

Wie viele Arten von Lizenzen gibt es für Stockfotos?

Eine Menge! Stockbilder können verschiedene Arten von Lizenzen haben, einschließlich besonderer Gebühren für die kommerzielle Nutzung und Veränderung. Designer haben es hauptsächlich mit drei verschiedenen Grundarten von Lizenzen zu tun:

  • Gebührenfrei: Nutzer müssen überhaupt keine Gebühren zahlen und können das Bild kostenlos nutzen. Allerdings kann dies auch jeder andere. Dazu zählen Public Domain (Inhalte, deren geistige Eigentumsrechte abgelaufen sind) und Creative Commons (Künstler entscheiden, dass ihre Werke gebührenfrei sind). Diese können allerdings bestimmte Quellenangaben erfordern.
  • Rechteverwaltung: Für die Nutzung der Bilder muss gezahlt werden und Lizenzen können für einzelne Projekte, einen bestimmten Zeitraum oder einen Ort erworben werden.
  • Lizenzerweiterung: Diese bietet zusätzliche Rechte zu einer Standardlizenz, einschließlich die mehrfache Verwendung des Bildes und Gebühren für den Weiterverkauf und die kommerzielle Nutzung (z. B. auf einem T-Shirt).
Screenshot of Flickr’s licensing filters
Auf Flickr kannst du die Bildsuche nach bestimmten Lizenzarten filtern. Via Flickr.

Für mehr Einzelheiten zu Lizenzen für Stockfotos, lies unseren Leitfaden für die Lizenzierung von Stockbildern.

Stockbilder werden unterschiedlich bepreist, abhängig davon, wo du sie erwirbst, und es gibt jede Menge kostenloser Stockbilder, falls du knapp bei Kasse bist. Manche Seiten lassen dich pro Bild bezahlen, wohingegen andere einen Mitgliedsbeitrag verlangen, der es dir erlaubt, innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine bestimmte Anzahl Bilder herunterzuladen.

Sei dir bewusst, dass einige Nutzungsrechte bestimmte Namensnennungen erfordern – besonders bei Bildern, die der Creative Commons Lizenz unterliegen. Das bedeutet lediglich, dass der Künstler/Ersteller genannt werden muss. Zu den üblichen Lizenzen mit Namensnennung zählen:

  • Standard-Namensnennung: Kostenlose Nutzung des Bildes, sofern der Künstler genannt wird.
  • Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Dieselben Regeln wie bei der Standardnamensnennung, aber alle neuen Nutzungen, kommerzielle Nutzungen oder veränderte Nutzungen müssen ebenfalls als Creative Commons gekennzeichnet sein.
  • Namensnennung – Keine Bearbeitung: Das Bild kann weiterverbreitet werden, auch kommerziell, darf aber nicht verändert oder bearbeitet werden.
  • Namensnennung – Nicht kommerziell: Das Bild darf nicht für kommerzielle Zwecke oder Weiterverkauf genutzt werden.
  • Namensnennung – Nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen: Das Bild darf für persönliche Nutzung verwendet werden, aber jegliche Veränderung oder Bearbeitung muss ebenfalls unter Creative Commons erfolgen.
  • Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitung: Das Bild darf für persönliche Nutzung verwendet werden und darf nicht verändert oder bearbeitet werden.

Auch wenn es nicht so scheint, hat Creative Commons jede Menge rechtliche Fallstricke, abhängig von der Art der Namensnennung. Stelle sicher, dass du den Richtlinien genau folgst, da dir dein „kostenloses“ Stockbild sonst am Ende eine Menge Anwaltskosten bescheren kann.

Wo findest du Stockbilder?

Stockbilder scheinen überall zu sein, aber manche Quellen sind besser als andere. Der erste Schritt besteht darin, dein Budget und deine Bedürfnisse zu kennen: Wenn du mehrere Stockbilder benötigst oder mit der Zeit regelmäßig neue benötigen wirst, kann es sich lohnen, nach einem zahlungspflichtigen Dienst für Stockbilder zu suchen. Diese Namen kennst du vielleicht bereits:

  • Adobe Stock: Adobe Stock ist bekannt für seinen Umfang und seine Vielfalt. Es ist so nützlich, dass wir sogar eine 6-Schritte-Anleitung dazu geschrieben haben, wie man dort das perfekte Stockbild findet.
  • Getty Images: Als einer der bekanntesten Namen in Sachen Stockbilder bietet Getty Stockfotos, Bilder, Videos und sogar Musik. Getty bietet Rabatt für 5er- und 10er-Pakete, wodurch du hunderte von Euros sparen kannst, wenn du größere HD-Fotos oder Videos nutzt.
  • Shutterstock: Shutterstock ist ein weiterer bekannter Name im Bereich der Stockfotos, den du vielleicht durch seine Wasserzeichen bereits kennst. Gelegenheitsnutzer können von den Rabatten für 5er- und 25er-Pakete profitieren, aber regelmäßige Nutzer oder Unternehmen werden den Abo-Plan bevorzugen.
  • Moose: Moose ist eine Seite für Stockfotografie, die von Icons8 betrieben wird. Ihre Bilder sind bei persönlicher und kommerzieller Nutzung kostenlos, sofern du auf ihre Seite verlinkst. Du kannst auch eine Lizenz erwerben, die keine Verlinkung erfordert.
Seiten wie Realistic Shots bieten eine Vielzahl an kostenlosen, interessanten Bildern unter der Creative Commons Lizenz an.

Stockbilder sind allerdings hauptsächlich deshalb so reizvoll, weil sie so günstig sind, daher bist du am besten damit beraten, kostenlose Stockbilder herunterzuladen. Wenn das eher nach dem klingt, was du benötigst, haben wir hier eine Liste mit 30 Seiten, die kostenlose Public Domain Bilder bieten.

Sobald du eine Seite oder Datenbank mit Stockbildern gefunden hast, die dir gefällt, kannst du nach den eigentlichen Bildern suchen. Aber erst noch ein technischer Rat, bevor du loslegst: Achte darauf, den Status deiner Stockbilder genau zu checken, um sicherzustellen, dass du sie bedenkenlos nutzen kannst. Du musst zwei wesentliche Punkte prüfen:

  1. Kontrolliere die Lizenzvereinbarung. Wenn du die Bilder in Photoshop bearbeiten oder kommerziell nutzen willst, musst du sicherstellen, dass die Lizenz stimmt. Manche Werke unterscheiden sich von anderen und wenn es um Schadensersatzansprüche geht, ist Vorsorge besser als Nachsorge.
  2. Führe eine umgekehrte Bildsuche durch, um zu sehen, wer sonst noch das Bild nutzt. Das Problem mit Stockfotos ist, dass sie jeder nutzen kann. Sofern du keine Exklusivrechte an einem Bild erworben hast, solltest du mit einer umgekehrten Bildsuche herausfinden, wer das Bild noch verwendet.
Screenshot of a reverse image search from TinEye
TinEye ist ein Tool zur umgekehrten Bildsuche. Via TinEye.

Wir empfehlen TinEye, ein kostenloses Tool zur umgekehrten Bildsuche.

2 wichtige Tipps für die Verwendung zu Stockfotos

Stockfotos zu nutzen ist einfacher, als es scheint, aber es gibt ein paar wichtige Tipps, die dir ein hochwertiges Produkt garantieren.

1. Kombiniere Stockfotos mit selbst erstellten Bildern, damit alle aussehen, als wären sie selbst erstellt (vermeide es, Stockfotos für jedes Foto zu nutzen).

Stockfotos sind wie ein starkes Gewürz: Sie sind am besten, wenn sie durchgehend genutzt werden, aber wenn du zu viel auf einmal nutzt, wird es das Einzige sein, was man schmeckt (oder sieht). Stockbilder funktionieren am besten, wenn sie mit selbst erstellten Bildern vermischt werden, um eine Balance zwischen Originalität und Preis zu erzeugen.

Screenshot of Someone site
Someone kombiniert Fotos ihres Produkts mit allgemeineren Bildern (und Text), die von überall stammen könnten. Via Someone.

Fotomontagen sind der beste Weg, um Stockfotos als deine eigenen zu verkaufen, solange du es richtig machst. Hier sind ein paar Tipps:

  • Nutze selbst gemachte Bilder als primäre Bilder und Stockfotos als sekundäre Bilder. Die auffälligen, selbst gemachten Bilder wecken den Anschein, dass die folgenden Bilder ebenfalls selbst gemacht sind. Bei Webdesigns funktioniert dies besonders gut in Fotokarussells.
  • Verbinde dein Fotos mit Text wie der Klamottenhersteller Someone oben. Text ist kostenlos, leicht zu erstellen und immer individuell angefertigt und daher eine clevere Alternative zu echten Bildern.
  • Zeige dein Logo vorwiegend auf selbst gemachten Fotos, um zu beweisen, dass es sich nicht um Stockfotos handelt. Du kannst dein Logo auch auf Stockfotos zeigen, aber das erklären wir später.
  • Verbinde alle Fotos durch ein optisches Motiv. Dabei könnte es sich um eine dominante Farbe handeln oder etwas Abstraktes wie beispielsweise lächelnde Menschen. Während individuelle Motive einfacher sind, wenn du deine eigenen Fotos erstellst, kannst du auf der Suche nach dem, was zu deinem Schema passt, auch die Stockbilder filtern.

2. Personalisiere deine Stockfotos mit einem Bildbearbeitungsprogramm (nutze keine „fertigen“ Stockfotos)

Nur weil du ein paar Stunden damit verbracht hast, das perfekte Stockfoto zu finden, heißt das nicht, dass du es sofort verwenden kannst. Du solltest deine Stockfotos immer personalisieren. Nicht nur, damit sie besser zu deiner Marke passen, sondern auch, damit dein Bild sich von dem unterscheidet, das andere Marken verwenden.

Wenn du ein Stockbild hast, bei dem Veränderungen erlaubt sind, nutze diesen Vorteil. Zum einen kannst du nach Belieben Elemente entfernen oder hinzufügen, beispielsweise wenn ein Blumentopf auf einem Tisch beispielsweise zu sehr ablenkt oder es zu viele Luftballons in der Partyszene gibt.

Darüber hinaus kannst du Stockfotos anpassen, damit sie besser zu deiner Marke passen. Du kannst dein Logo auf Produkten, Uniformen oder Schildern im Hintergrund hinzufügen. Bei Stockfotos, die einen einfarbigen Hintergrund haben, kannst du (oder jemand, der sich mit Bildbearbeitung auskennt) diesen einfach gegen einen Hintergrund in deinen Unternehmensfarben ändern.

How designers used stock photos to create the book cover for The Fog Seller
Das “individuell angefertigte“ Cover für The Frog Seller besteht eigentlich aus drei miteinander kombinierten Stockfotos. Von Proi.

Wenn du dich mit Bildbearbeitungssoftware auskennst, kannst du die Änderungen selbst vornehmen, indem du unserem Guide für Bildbearbeitung folgst. Wenn du dich eher mittelmäßig mit Photoshop auskennst, solltest du überlegen, einen Profi zu engagieren. Die Hilfe eines Designers in Anspruch zu nehmen, ist wie eine Abkürzung, um selbst gemachte Bilder ohne Fotografen zu erstellen, auch wenn es dennoch Zeit und Mühe erfordert. Abhängig von deinem Projekt (Poster, Website etc.), kannst du sogar einen Designer engagieren, der sich für dich um alles kümmert.

Stockfotos: Geliehene Originalität

Kannst du glauben, dass sie nicht wussten, dass Stockfotos durchaus nützlich sein können? Via The British Library.

Vergiss nicht, wenn ein Stockfoto wirklich gelungen ist, wird man nicht merken, dass es sich um ein Stockfoto handelt. Alles was du tun kannst, um es zu individualisieren, macht es wirkungsvoller, daher solltest du nicht davor zurückschrecken, aus deinen Stockfotos maßgeschneiderte Bilder zu machen.

Was hältst du von Stockfotos? Hat dich schon mal eins so richtig umgehauen oder so sehr zum Lachen gebracht, dass du vom Stuhl gefallen bist?

Verrate uns deine Meinung zu Stockfotos in den Kommentaren.