Kinder, Job, Haushalt und Familie. Mutter sein gilt vielerorts als Knochenjob. Der eine zieht rechts, der andere links und vor lauter Gezerre bleibt kaum Zeit für die eigene Person, die Bedürfnisse und Wünsche. Nicht nur den Kindern gebührt ein hohes Maß an Zeit und Aufmerksamkeit, auch die meisten Jobs erfordern höchste Einsatzbereitschaft und lückenlose Verpflichtung. Flexibilität wird hier immer noch klein geschrieben, eine Balance zwischen Job und Familie erschwert.

Online Plattformen und Communities bieten ganz besonders Müttern neue Möglichkeiten, beides zu vereinen. Im Internet für eine weltweite Kundschaft zu arbeiten, bedeutet, keine Entscheidung zwischen Job und Familie treffen zu müssen. So lassen sich Job und Familie oftmals leichter und unabhängiger unter einen Hut bringen und das ganz egal, wo man sich befindet.

Job und Familie

Muttertag Grafik

Eine Umfrage unter 1.000 Designern unserer Community zeigt, dass 35% der Freischaffenden auf 99designs mindestens ein Kind haben. Während die Kreativen zeitlich und räumlich flexibel ihrer Lieblingstätigkeit, dem Designen, nachgehen, finden sie laut eigener Aussage immer noch genügend Zeit, sich ihren Liebsten zuzuwenden. Mit mehrheitlich 3 bis 5 Stunden am Tag liegt die Zeit für Kinder, Freunde und Familie deutlich über dem Durchschnitt. Ein Drittel der Befragten schafft es neben der Tätigkeit als Designer sogar, mehr als 5 Stunden mit Kindern und Familie zu verbringen. Dass dies einen durchaus positiven Effekt auf die Work-Life-Balance hat, wird ebenfalls deutlich. 76% der befragten Designer bestätigen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben. Dies wiederum wirkt sich positiv auf ihre Kreativität aus.

Zwischenmenschliche Beziehungen machen glücklich und wer glücklich ist, versprüht Kreativität, was gerade Designern besondere Erleichterung im täglichen Beruf verschafft. Wie zufrieden die Kreativen unserer Plattform sind, zeigt sich außerdem darin, dass 82% ihre Kinder dazu ermutigen würden, selbst Designer zu werden. Seinen Kindern wünscht man eben nur das Beste.

Im Interview

So auch Laura Coulter aus Joplin, Missouri USA. Laura, auch bekannt als daylitedesigns, ist 40 Jahre alt und hat sage und schreibe sechs Kinder. Sie, dachten wir, muss es ganz genau wissen, wie es ist, als Designerin auf unserer Plattform zu arbeiten und nebenbei eine Großfamilie zu versorgen. Also haben wir sie getroffen und mit ihr über das Leben als Mutter und Designerin gesprochen.

Laura aka DayliteDesigns

Lauras Designer-Profil auf 99designs

Lauras Kinder
Laura und ihr Mann, Dennis
Button, der Hund

Laura mit den Kindern, mit ihrem Ehemann Dennis und ihr neuestes Familienmitglied, Hund Button

Warum bist du 99designs beigetreten und wie hast du diese Plattform entdeckt?

Ich war vor Jahren Mitglied bei Sitepoint und habe mich schon immer für Grafikdesign interessiert und es auch gelernt. Zwischenzeitlich habe ich auch ein bisschen auf Worth1000 herumgespielt. Das war eine amüsante Wettbewerbsseite für Bildbearbeitung. Ich habe dann nach ähnlichen Seiten wie Worth gesucht und bin über 99designs gestolpert. Da habe ich ein wenig herumgestöbert und einen Wettbewerb gefunden. Seitdem bin ich hier!

Was hast du davor gemacht und wie ist deine Vorgeschichte in Sachen Design?

Ich war ein Tausendsassa. Mein erster “richtiger” Job war Friseurin. Ich ging mit 16 zur Berufsschule und arbeitete dann als Friseurin bis ich ungefähr 20 war. Danach war ich Kellnerin, Verkäuferin, im Vertrieb und alles Mögliche.

Was Design betrifft, habe ich mich schon immer für Webdesign interessiert. Ich habe früher kostenlos Webseiten für Freunde und Communitys, in denen ich war, entworfen und es hat sich dann irgendwie so weiterentwickelt.

Wie sieht deine Familie aus?

Wir sind zu acht. Mein Mann und ich haben 3 Jungs und 3 Mädchen. Die Mädels sind 15, 11 und 2 und die Jungs 13, 8 und 4.

Was kam zuerst? Deine Kinder und Familie oder deine Liebe für Grafikdesign?

Meine Familie habe ich gegründet, bevor ich mich wirklich mit Design beschäftigt habe. Aber ich glaube, dass lag einfach an den mangelnden Gelegenheiten. Bevor es 99designs gab, hatte ich keinerlei Möglichkeit, mich auch nur ansatzweise auszuprobieren, außer für Freelance-Webseiten zu bezahlen und du weißt ja wie das läuft. Man muss Geld ausgeben, um überhaupt dabei zu sein. Das war einfach nichts für mich. Aber meine letzten 3 Kinder wurden geboren, nachdem ich meine Designkarriere begonnen hatte.

Wie sieht ein Tag im Leben einer „Grafikdesign-Mutter“ aus? Wie viele Stunden am Tag arbeitest du als Designerin?

Zu viele! Würden meine Kinder sagen. Aber mein normaler Tag sieht so aus:

6 Uhr früh mit den beiden Jüngsten aufstehen (sie stehen zuerst auf). Ihnen Frühstück machen und meine E-Mails und Benachrichtigungen checken, während sie essen. Um 8 stehen die anderen Kinder auf und unser Tag beginnt. Hausunterricht findet am Computer statt, also hat jeder seinen eigenen Stundenplan. Ich fange mit meiner „Arbeit“ um 9 Uhr an und meine Älteste passt mit mir in meinem Zimmer auf die 2-Jährige auf. Um 10 tauschen sie und mein ältester Sohn passt auf die Jüngste auf. Um 11 tauschen sie wieder und meine mittlere Tochter passt auf. In der Zeit, in der sie mir nicht mit ihr helfen, machen sie ihre Schularbeiten. Wir machen Mittagspause und schmeißen den Haushalt (Wohn- und Schlafzimmer aufräumen, den Abwasch erledigen, Müll rausbringen). Danach ist unser Programm, das Gleiche wie am Morgen. Um 16 Uhr fange ich an, Abendessen zu kochen und danach widmen wir uns unseren abendlichen Aufgaben, wie Bad usw. Meine 4 Jüngsten gehen um 19 Uhr ins Bett und meine beiden Ältesten bleiben bis 20 Uhr auf. Meine Älteste bleibt eigentlich noch eine weitere Stunde auf, muss aber in dieser Stunde in ihrem Zimmer sein. Von 19 bis 20 Uhr erledige ich alles an Arbeit, soweit ich kann, oder schaue mir an, was ich noch brauche und erstelle meinen Tagesplan für den nächsten Tag. So gegen 20 Uhr gehe ich in das Büro meine Mannes und wir verbringen dort die Zeit, bis wir ins Bett gehen … Ziemlich langweilig, aber manchmal auch sehr hektisch.

Etwas, das sehr wichtig ist, wenn man einen großen Haushalt führt, ist ein Ablaufplan. Alles läuft nach einem genauen Zeitplan und wenn man von ihm abweicht, muss man sich neu organisieren und wieder in die Spur finden, ansonsten ist der ganze Tag im Eimer.

Was gefällt dir daran, selbständiger Designer zu sein?

Mir gefällt die Tatsache, dass ich die Projekte annehme, die ich annehmen will, bis zu einem gewissen Maß. Seit ich bei 99designs arbeite, haben mich ein paar Kunden „entdeckt“, die mir einen Vertrag gegeben haben, um für sie zu arbeiten und ich bekomme ein jährliches Gehalt von ihnen, zusätzlich zu meiner selbständigen Arbeit.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und inwiefern beeinflussen deine Kinder deinen Stil als Designerin?

Mein Stil ist vielseitig und genau so sind auch meine Kinder. Eine Zeit lang tendierte ich Richtung niedliche und knuddelige Designs und war schon immer gut in der Kreation von Baby- oder Frauenmarken. Ich glaube, dass es daran liegt, dass ich eine Mutter bin und diese Form von Marken täglich sehe, ihre Werbung jeden Tag schaue, diese Webseiten besuche und so dieser „Stil“ auch in meiner Arbeit zum Vorschein kommt. In den letzten Jahren habe ich mich in Richtung 3D und Gamer-Style bewegt, was auf den starken Einfluss meiner „Gamer-Familie“ zurückzuführen ist.

Mutter und Designer - Designs

Design-Referenzen von Laura a.k.a. daylitedesigns

Du musst wahnsinnig damit beschäftigt sein, dich um deine Familie zu kümmern. Wo findest du die Inspiration für Design?

Inspiration ist überall! Ich hatte nie ein Problem mit Inspiration, sondern eher damit, das was in meinem Kopf ist, auf Papier zu bekommen. In den Anfangsjahren war es besonders hart, ich habe vielleicht 4 Stunden am Tag designt und die meiste Zeit saß ich mit Notizen aus einem Briefing in meinem Notizblock da und umriss meine Ideen. Wenn ich dann einen Moment hatte, um an den Computer zu gehen, begann ich, sie in Illustrator auszuarbeiten. (Ich arbeitete damals oft spät nachts)

Welche ist deine liebste Designkategorie?

Hmmm, das ist eine schwere Frage. Viele würden vermutlich denken, es ist Logo Design, aber das stimmt nicht. Ich würde sagen, meine Lieblingskategorie ist App-Icons Design.

Meine Auftragsarbeit ist Branding und Label Design mit einem bisschen Web, also halte ich mich von diesen auf 99designs größtenteils fern weil … nun ja, es sich dann wie Arbeit anfühlt. Aber bei App-Icons habe ich Spaß, wenn ich sie mir auf meinem Telefon vergegenwärtige. Es ist so großartig! Und zumindest für kurze Zeit hatte ich zu jedem App-Icon, das ich gestaltet habe, die App. So konnte ich meine Arbeit zumindest live erleben.

Vermisst du es, jeden Morgen ins Büro zu gehen und einen „traditionellen“ Designerjob außerhalb deines Hauses zu haben?

Absolut nicht! Ich würde zu viel verpassen, wenn ich nicht zu Hause wäre. Ich habe mal darüber nachgedacht, auf herkömmliche Weise zu arbeiten, aber nie den Sprung gewagt. Ich liebe es, zu Hause mit meinen Kindern zu sein. Sie sind die ganze Zeit bei mir und schauen mir beim Arbeiten zu. Sie sagen mir ihre Meinung und manchmal, wenn ich mich nicht für eine Idee entscheiden kann, lasse ich sie mit mir brainstormen. Wir kommen meist auf ziemlich cooles Zeug!

Was sind die größten Herausforderungen in deinem Leben als Mutter UND Designerin? Und hast du ein paar Ratschläge für andere Frauen (oder Männer) in dieser Rolle?

Die größte Herausforderung sind nicht die Kinder, wie die meisten sicher glauben würden. Die größte Herausforderung ist es, Zeit mit deinem Partner zu haben. Am Ende des Tages (er ist Programmierer) sind wir müde. Wir haben den ganzen Tag gearbeitet und sitzen und hängen zusammen rum und gucken eine Serie oder einen Film. Den besten Tipp, den ich geben kann, ist, arbeite keine 7 Tage die Woche. Ich habe das versucht und es ist schwer und man ist irgendwann wütend und gereizt gegenüber jedem, der nicht arbeiten muss. Ich nehme mir am Wochenende frei. Ich hole etwas Arbeit nach, wenn es sein muss, aber zum größten Teil ist es meine Familienzeit, um mit meinen Kindern zu spielen , etwas World of Warcraft zu zocken oder irgendwas anderes, was ich gern tue. Du musst dir Zeit für dich selbst nehmen. Wenn du das nicht tust, wirst du es nicht schaffen. Nicht beruflich und nicht mit deiner Familie.

Welche Vorteile hast du als Mutter und freischaffende Designerin?

Ich weiß immer, was bei meinen Kindern los ist. Während ich vielleicht nicht jedes Lächeln sehe, bin ich für alles da. Vielleicht bin ich auch ein wenig überängstlich, aber meine Kinder genießen eine gute Bildung (wir bringen ihnen Dinge bei, die sie nicht in der Schule lernen) und wir haben einen riesigen Familienzusammenhalt. Was die Arbeit betrifft, so kann ich arbeiten, wann ich will. Wenn ich aus welchem Grund auch immer an einem Tag nicht arbeiten will, dann arbeite ich nicht. Ich lasse mich nie auf Deadlines ein, die ich nicht einhalten kann, selbst mit ein paar freien Tagen. Das kannst du in einem herkömmlichen Job nicht tun und das gleiche Einkommen haben.

Welche Rolle spielt dein Mann innerhalb eurer Familie?

Mein Mann ist Programmierer, er verdient also den größeren Teil unseres Einkommens und hat einen anstrengenderen Job als ich. Er arbeitet auch von zu Hause, also haben wir beide unsere Zeit mit den Kindern. Seine Arbeitszeit weicht ein bisschen von meiner ab. Da es etwas laut in unserem Haus werden kann, lebt er nach einem etwas anderen Tagesplan. Er steht gegen Mittag auf, arbeitet ein bisschen und verbringt dann ein wenig Zeit mit den Kindern, während ich Abendessen mache und wir essen. Während sie ihren abendlichen Aufgaben nachgehen, arbeitet er noch ein bisschen mehr, danach verbringen wir ein paar Stunden zusammen, bevor ich ins Bett gehe und seine richtige Arbeit beginnt gegen 23 – 24 Uhr, abhängig davon, wann ich ins Bett gehe. Er geht normalerweise ins Bett, wenn ich aufstehe. Außerdem wacht meine 2-Jährige immer noch nachts auf und er kümmert sich um sie oder jeden, der mitten in der Nacht wach wird.

Hat deine Kreativität Auswirkungen auf deine Kinder?

Ich weiß nicht. Ich glaube sie sind alle für sich ziemlich kreativ. Meine Älteste steht wirklich auf Kunst, aber ich weiß nicht, ob das von mir kommt. Ihr Papa ist ein großartiger Künstler! Er fand aber einfach, dass seine Liebe fürs Programmieren größer ist. Was den Rest betrifft, glaube ich nicht, dass ich einen Einfluss hatte. Abgesehen davon, dass die Älteren dazu tendieren, Logos und Werbungen anders als die anderen Kinder zu betrachten. Sie achten auf die Auswahl der Schriftarten und Farbabstimmung. Von daher, ja, das kommt vermutlich von mir.

Würdest du deine Kinder ermutigen Designer zu werden?

Das würde ich, wenn es das ist, was sie wollen. Aber meine Älteste, obwohl sie ein Gespür für Illustrationen hat, möchte Sängerin werden und mein ältester Sohn lernt bereits Programmieren. Von daher, ich weiß nicht. Wenn sie es wollen, ja, dann würde ich sie ermutigen. Ich würde ihnen definitiv ein paar Tipps geben und ein paar Jobs, mit denen sie anfangen können.

Laura, wir bedanken uns für das Interview! Und wünschen allen Müttern einen freudigen Muttertag!