Kreativität ist mehr als nur ein Buzzword. Längst schon haben viele Firmen erkannt, dass herausragende Innovationen kreative Köpfe in allen Etagen des Unternehmens voraussetzen. Dementsprechend viel Geld investieren sie in Versuche, ihre Mitarbeiter zu erziehen, „outside the box” zu denken – doch nur wenige sind von Erfolg gekrönt. Was ist wirklich hilfreich, um im Arbeitsalltag kreative Ideen und neue Konzepte zu entwickeln?

Das Experiment

Welchen Einfluss haben externe Faktoren auf die Entwicklung kreativer Ideen?

In Kooperation mit mehreren Wissenschaftlern versuchte Spacebase, eine Plattform für die Buchung außergewöhnlicher Meeting- und Workshopräume, herauszufinden, welchen Einfluss externe Faktoren auf die Entwicklung kreativer Ideen haben. In der Studie mit dem Titel „experiMENTAL” wurden Gruppen bestehend aus einander unbekannten Probanden für jeweils eine Stunde verschiedenen Stimuli ausgesetzt.

Danach wurde anhand standardisierter Kreativitätstests überprüft, wie die Anzahl und Kreativität der Ideen beider Gruppen in den verschiedenen Tests ausfiel – und ob sich Unterschiede zwischen den Gruppen feststellen ließen. Außerdem wurden Gespräche mit den Teilnehmern geführt, um mehr über ihre Erfahrungen und Eindrücke während der Tests zu erfahren.

Sport vs. Fernsehen

Dass Fernsehen dumm macht, ist eine bei Eltern beliebte Drohung. Um zu überprüfen, ob tatsächlich etwas dran ist, durften zwei Teilnehmergruppen für das erste Experiment der Studie je eine Stunde Netflix schauen oder alternativ eine Stunde an einem intensiven Zumba Kurs teilnehmen. Anschließend absolvierten beide Gruppen identische Kreativitätstests.


Video: Episode 1 der ExperiMENTAL-Webserie von Spacebase

Und in der Tat: Die Gruppe, die Sport betrieben hatte, schnitt deutlich besser ab! Besser sogar als jede andere Gruppe, die im Laufe der Studie getestet wurde. Sich (mit dem Team) sportlich zu betätigen, scheint also nicht nur für die Gesundheit gut zu sein… Die gemeinsame sportliche Aktivität sorgte für eine gelockerte Atmosphäre, gute Stimmung und eine verringerte Hemmschwelle unter den Gruppenmitgliedern und führte dazu, dass Probanden kreative Ideen offener miteinander teilten.

Interaktives vs. traditionelles Meeting

Im zweiten Experiment wurde getestet, welchen Einfluss die Interaktivität und räumliche Umgebung eines Meetings auf die Kreativität haben. Du wirst es bereits geahnt haben, was sich hier bewahrheitete: die Arbeitsumgebung spielt eine große Rolle.

Eine Vielzahl von Faktoren kann beeinflusst werden, um das kreative Ergebnis zu verbessern.
- Dr. Krueger, Professor für Cognitive, Linguistic and Psychological Sciences, Brown University

Dr. Krueger, Professor für Cognitive, Linguistic and Psychological Sciences an der Brown University (USA), der ebenfalls in der Studie involviert war, stimmt zu: “Eine Vielzahl physischer Faktoren (z.B. Office Design), sozialer Faktoren (z.B. Art und Anzahl von Meetings) und persönlicher Faktoren (z.B. Denkmuster) können beeinflusst werden, um das kreative Ergebnis zu verbessern”, so Krueger.


Video: Episode 2 der ExperiMENTAL-Webserie von Spacebase

Die Gruppe, deren Meeting in einem Coworking Space mit lockerer, interaktiver Atmosphäre stattfand, hatte deutlich kreativere Antworten parat als jene, die in einem grauen, engen Besprechungszimmer einem traditionellen, frontalen Vortrag zuhören mussten. Die Teilnehmer berichteten, dass sie sich in der interaktiven Umgebung viel ungezwungener fühlten.

Wer kreativ arbeiten will, sollte also versuchen, dies in einer entspannten, offenen Umgebung zu tun. Außerdem kannst du kreatives Denken fördern, indem du die Zuhörer durch Gruppenaufgaben aktiv in Meetings miteinbeziehst und so den Austausch untereinander anregst.

Nüchtern vs. alkoholisiert

Zu guter Letzt ging das Experiment der Frage nach, ob der berüchtigte Alkohol tatsächlich die Stimmung lockert und Leute animiert, ihre Hemmschwelle zu überwinden. Dazu wurden die Antworten von nüchternen, angeheiterten und ziemlich betrunkenen Probanden miteinander verglichen.


Video: Episode 3 der ExperiMENTAL-Webserie von Spacebase

Das überraschende Resultat zeigt, dass die Gruppe der leicht angetrunkenen Probanden besonders gut in den anschließenden Kreativitätstests abschnitt.

Das sollte kein Anlass sein, in Zukunft betrunken zur Brainstorming-Session zu erscheinen, denn die betrunkenen Teilnehmer hatten zwar viel Spaß, waren aber unkonzentriert und vergesslich. Solange es aber bei ein, zwei Bierchen bleibt, kann Alkohol tatsächlich eine positive Wirkung auf die Entwicklung kreativer Ideen haben.

Fazit: Äußere Umstände machen den Unterschied

Kreativität ist keine Eigenschaft, die manchen Menschen angeboren ist und anderen nicht.

Kreativität ist keine Eigenschaft, die manchen Menschen angeboren ist und anderen nicht. Sie ist jedoch einigen von uns einfacher zugänglich – abhängig davon, wie wohl man sich fühlt und in welcher Umgebung man versucht, kreativ zu sein.

Dein Ziel sollte deshalb sein, die äußeren Umstände möglichst günstig zu gestalten, damit kreative Gedanken zugelassen werden. Bestimmte Maßnahmen wie Sport, eine inspirierende Umgebung oder ein Feierabendbier mit den Kollegen helfen dabei. Am wichtigsten bleibt, dass keiner von uns Scheu hat, Neues auszuprobieren, um die uns innewohnende Kreativität zu wecken!

Über den Autor:

Philipp Kraatz ist nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim nach Berlin gezogen und ist dort in die Startup-Welt eingetaucht. Momentan arbeitet er als Marketing Manager bei Spacebase. Daneben studiert er Design Thinking am Hasso-Plattner Institut in Potsdam.