Wenn wir an einige unserer Lieblingsfiguren denken, von Superman bis Pikachu, ist Design oftmals das Letzte, was uns in den Sinn kommt. Genau das macht gutes Design: Es verbirgt die Schöpfer und hinterlässt einzig eine einprägsame Figur. Aber tolle Figuren entstehen nicht aus dem Nichts – sie sind das Ergebnis von Planung, visuellem Storytelling, Entscheidungen und künstlerischen Fähigkeiten.

Aus diesem Grund kann Figuren-Design schwieriger sein, als es scheint. Das Design muss verdeutlichen, wer die Figur ist. Kreative müssen also in der Lage sein, mit nonverbalen, visuellen Elementen wie Mimik, Gestik, Farbe und Kleidung Persönlichkeitsmerkmale zu vermitteln. Dies gilt besonders für einfache Figurenstile, bei denen die Designschaffenden mit weniger mehr vermitteln müssen.

Du musst eventuell auch technische Dinge beachten, zum Beispiel ob das Design sich leicht animieren lässt. Hinzu kommt die Frage der Originalität und das Finden deines eigenen Stils für dein Figuren-Design.

Illustration einer Person, die die Tür zu verschiedenen Charakterdesigns öffnet
Bist du bereit, ein paar bunte Figuren in dein Leben zu lassen? Design von OrangeCrush

Glücklicherweise gibt es Figuren-Design schon recht lange und es gibt Tipps und Arbeitsabläufe, die aufstrebende Kreative vom Konzept zum fertigen Kunstwerk führen können. Dennoch wird jeder Künstler seine ganz eigene Herangehensweise haben, die für ihn funktioniert. Mit diesen beiden Faktoren im Hinterkopf haben wir einen ultimativen Guide zu Figuren-Design erstellt, um dir einen schrittweisen Prozess und spezielle Tipps von professionellen Designer:innen unserer Plattform zum Thema Figuren-Design zu geben.

Wie man Schritt für Schritt Figuren designt

  1. Entwickle ein Konzept
    • Kreiere ein Profil für deine Figur
    • Überlege dir die Details
  2. Recherchiere
    • Informiere dich über deine Zielgruppe
    • Sammle Beispielbilder als Referenz
  3. Wähle die besten Tools für dein Projekt
  4. Beginne mit (vielen) Thumbnails
    • Arbeite schnell und im Kleinen
    • Achte auf Formen und Silhouette
  5. Stelle deine Skizze fertig
    • Finalisiere die Pose und Einzelheiten
    • Sammle Feedback, bevor du fortfährst
  6. Rendere dein Figuren-Design
    • Digitalisiere die Skizze
    • Konzentriere dich auf den Hellbezugswert
    • Füge Farbe hinzu
  7. Gib der Figur den letzten Schliff
    • Entscheide dich für einen Hintergrund
    • Erstelle eine Präsentation

Schritt 1: Entwickle ein Konzept

Illustration einer Frau, die davon träumt, Kunst zu schaffen
Hole deine Bleistifte! Illustration von Maria GR

Figuren-Design ist eine Form der Illustration, die sich Concept Art nennt. Es geht darum zu vermitteln, wie Künstler sich eine Figur in zukünftigem Kontext vorstellen, beispielsweise in einem Film, einem Videospiel oder auf einer Unternehmenswebsite. Die Unterhaltungsindustrie nutzt Concept Art, um ihre Ideen zu veranschaulichen, bevor exorbitante Summen für die Produktion ausgegeben werden. Daher sollte ein gutes Figuren-Design die Vision verkaufen.

Wenn du eine Figur nur für dein Portfolio designst, brauchst du erst recht ein klares Konzept, denn dein Design wird keinen Kontext haben, der die Geschichte hinter der Figur erklärt.

Kreiere ein Profil für deine Figur

Das Kreativ-Briefing, falls du eines bekommst, bietet einen guten Ausgangspunkt. Die Kunden sollten dir Informationen zum Kontext der Figur, zur Zielgruppe und dem bevorzugten Stil geben.

Top Level Figuren-Designerin Cross The Lime erklärt, wie wichtig es ist, eine Richtung auf Grundlage des Briefings festzulegen: „Wie massenkompatibel oder skurril eine Figur in Branding-Projekten sein kann, hängt von der Branche und den Kunden ab. Bitte sie um Beispiele von Figuren, die ihnen gefallen, und frage sie, was sie an ihnen mögen.“

Lebendiges Charakterdesign, das Persönlichkeit in seinen Ausdruck packt
Von Cross The Lime

Doch auch wenn der Kunde (oder Autor) bereits eine Story für die Figur kreiert hat, bedeutet das nicht, dass der Künstler fein raus ist. Briefings sind von Natur aus kurz gefasst und es ist nicht unüblich, dass Kunden Probleme damit haben, sich künstlerisch auszudrücken.

Wie massenkompatibel oder skurril eine Figur in Branding-Projekten sein kann, hängt von der Branche und den Kunden ab.

Es ist oftmals Aufgabe des Illustrators, das Briefing zu interpretieren, die richtigen Fragen zu stellen, zwischen den Zeilen zu lesen und aus den Erklärungen der Kunden die wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln. Deine Ideen sollten natürlich nicht im Widerspruch zum Briefing stehen, aber denke daran, dass du aufgrund deiner Expertise engagiert wurdest. In vielen Fällen werden die Kunden von dir erwarten, das Konzept auf eine Weise weiterzudenken, die ihnen nicht in den Sinn gekommen ist.

Wenn du kein Briefing bekommen hast (und vielleicht auch falls doch), kann es eine gute Idee sein, selbst eines zu schreiben. Dein Ziel ist ein kurzes Briefing, nicht mehr als ein kurzer Abschnitt, das die Figur grundlegend beschreibt: woher sie stammt, was sie will, was sie besonders macht. Die fünf W-Fragen können dabei hilfreich sein, eine Grundannahme zu erstellen.

In dieser Phase solltest du dich nicht mit albernen Einzelheiten wie „Ihre liebste Eissorte ist Schokolade!“ aufhalten. Stattdessen sollte dein Ziel darin bestehen, Beschreibungen zu finden, die als Leitfaden dienen.

Überlege dir die Details

Es gibt eine Reihe von Brainstorming-Techniken, die dir helfen können, das Profil deiner Figur zu entwickeln. Eine der hilfreichsten Techniken für Figuren-Design ist die Wortassoziation. Du beginnst mit einigen Stichwörtern des Briefings und überlegst dir zugehörige Wörter, entweder mithilfe einer Mindmap oder indem du eine Liste erstellst. Der Grund dafür ist, dass einzelne Wörter Ideen einfach halten und auf das Wesentliche reduzieren. Das ist praktisch, wenn du diese Eigenschaften visuell vermitteln musst.

ninja illustration
Von noodlemie

Top Level Designerin noodlemie sagt: „Ich überlege mir ein paar Ideen und stelle mir vor, wie sie aussehen würden. Bevor ich anfange, schaffe ich mir eine „Gute-Laune-Atmosphäre“, indem ich Musik höre und manchmal Comics, Nachrichten oder einen Roman lese.“

„Bevor ich anfange, schaffe ich mir eine „Gute-Laune-Atmosphäre“, indem ich Musik höre und manchmal Comics, Nachrichten oder einen Roman lese.“

Das Figurenkonzept ähnelt dem Ziel, auf das dein Schiff zusteuert. Daher solltest du bei diesem Schritt besonders aufmerksam sein. Leider gibt es keinen eindeutigen Weg, um zu wissen, ob du das richtige Ziel gewählt hast. Kunst zu kreieren ist ein Prozess des blinden Fühlens, der ästhetischen Beurteilung und des Ausprobierens.

Arbeite das Konzept so gut du kannst aus und kehre später wenn nötig zu diesem Schritt zurück. Wenn sich etwas an deinem Design nicht richtig anfühlt, ist das zugrunde liegende Konzept in der Regel das erste, das du dir anschauen solltest.

Schritt 2: Recherchiere

Sich eine einzigartige Figur auszudenken kann sich wie Zauberei anfühlen – sogar so sehr, dass man leicht lästige Dinge wie das Recherchieren übersehen kann. Du fragst dich vielleicht „Geht es hier um eine Figur oder eine Klausur?“ Aber Recherche und Vorstellungskraft gehen Hand in Hand. Deine Vorstellungskraft entspringt schließlich deinem Verstand und dein Verstand wird beeinflusst durch Wissen und Erlebnisse.

Informiere dich über deine Zielgruppe

Dein Design wird vor allem von den Erlebnissen deiner Zielgruppe abhängen.

„Bevor du irgendwas anderes machst, musst du dich über deine Zielgruppe informieren, die von der Figur angesprochen werden soll“, beschreibt Top Level Designerin Maylyn ihren Recherche-Prozess. „Dies wird als Grundlage des Designs dienen. Die Zielgruppe zu kennen, erleichtert es dir zu entscheiden, wie die Figur aussehen sollte, einschließlich der zu nutzenden Farben und Stimmung“

Logo design of a hitman goat character
Von Maylyn
Logo design of a mountain man for a supplements brand
Von Maylyn
„Bevor du irgendwas anderes machst, musst du Nachforschungen zur Zielgruppe anstellen, die von der Figur angesprochen werden soll.“
- Maylyn

Ein Kunde wird in der Regel Informationen im Briefing bereitstellen, aber du solltest darüber hinaus Dinge wie Alter, Geschlecht, Wohnort usw. recherchieren. Suche nach anderen Künstlern, die für diese Zielgruppe designen, und nach Stilen, die sie ansprechen.

Sammle Bilder als Referenz

Dies bringt uns zum Hauptziel unserer Recherche: vergleichbare Bilder sammeln oder das Internet nach Fotos und Bildmaterialien absuchen, die zu deinem Konzept passen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Nutzung vergleichbarer Bilder zur Inspiration dient und keine Schummelei ist (vorausgesetzt natürlich, du erstellst keine exakten Kopien). Ob es dir gefällt oder nicht, deine Kunst wird unterbewusst durch Dinge beeinflusst, die du zuvor gesehen hast, einschließlich anderer Künstler, die dich inspiriert haben. Durch das Sammeln von Referenzen kontrollierst du bewusst diesen Einfluss. Sich die Arbeiten anderer Kreativer zu ähnlichen Konzepten oder Designs für ähnliche Zielgruppen anzusehen, kann dir zeigen, was üblich ist, und inwiefern deine Figur anders sein kann.

Seltsame skurrile Figurendesigns für vegane Jerky-Marke
Von bananodromo
Finde heraus, was andere erfolgreiche Kreative tun, um tolle Figuren zu kreieren. Analysiere sie und ziehe Schlussfolgerungen, aber imitiere sie nicht. 

Top Level Designerin bananodromo sagt: „Manchmal ist es notwendig, Inspiration zu sammeln, vielleicht um zu verstehen, wie andere erfolgreiche Kreative tolle Figuren kreieren. Analysiere sie und ziehe Schlussfolgerungen, aber imitiere sie nicht. Finde deinen eigenen Weg.“

Natürlich interpretieren andere Kreative in ihrer Kunst einfach das, was sie im wahren Leben sehen, und dein Referenzmaterial sollte gleichermaßen Fotos aus dem echten Leben oder direkte Beobachtungen enthalten. Wie Top Level Designerin ananana14 sagt: „Der beste Tipp, von dem ich wünschte, ich hätte ihn mir selbst geben können, als ich meine Karriere begann, ist, dass das wahre Leben die beste Inspiration ist.“

Übertriebene, cartoonartige oder komische Figuren sind hier nicht ausgenommen – im Gegenteil: Du solltest ihnen realistische Eigenschaften geben, die die Leute wiedererkennen. Auch die Anatomie ist ein wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt. Selbst wenn du nicht vorhast, die Figur zu animieren, wirst du durch ihre Haltung eine gewisse Körperlichkeit implizieren. Du solltest verstehen, wie sie sich bewegen und ihr Gewicht verteilen.

Figurendesigns für Kinder können viele fantasievolle Formen annehmen
Von Cross The Lime

Cross The Lime sagt: „Eine gute Figur ist wiedererkennbar und doch einzigartig. Wenn du eine Giraffe zeichnest, schaue dir Bilder von Giraffen an. Welche Proportionen hat sie, aus welchen Formen besteht ihr Körper, wie funktionieren die Beine, wie bewegt sich die Figur? Je mehr Varianten du von diesen wiedererkennbaren Eigenschaften und Formen skizzierst und zeichnest, umso einfacher wird es, sie zu abstrahieren und eine eigene Figur zu entwickeln.“

Je mehr Varianten du von diesen wiedererkennbaren Eigenschaften und Formen zu skizzierst und zeichnest, umso einfacher wird es, sie zu abstrahieren und eine eigene Figur zu entwickeln.“

Referenzmaterialien findest du so ziemlich überall – Pinterest, Google Bilder, ArtStation, Dribble und selbst in deiner eigenen Fotomediathek. Du kannst auch Referenzbilder zu allen Dinge sammeln, über die du dir unsicher bist – vom gesamten Figurenkonzept bis hin zu bestimmten Details wie Kleidung, Frisur, Gesichtsausdrücken, Posen und mehr. Wichtig ist, dass jedes dieser Bilder dir hilft, dein Konzept zu veranschaulichen.

Das Top Level Designteam Miniverso Studio schildert seine Sicht der Dinge dazu: „Informiere dich über die essenziellen Bestandteile des Figurendesigns. Lass dich von anderen Designs und Stilen inspirieren, die dich deinem Ziel näher bringen. Sammle Beispiele für Stil, Farbe, Persönlichkeit, Ausdruck und mehr. Sauge alles auf, das deinem Charakter eine Seele verleiht.“

Wie viele Referenzbilder du benötigst, hängt vom Projekt ab und davon, wie viel du deiner Meinung nach lernen musst. Es sollten allerdings schon ein paar mehr sein, um unterschiedliche Perspektiven zu bekommen. Sobald du diese Materialien gesammelt hast, kann es hilfreich sein, eine Collage oder ein Moodboard zu erstellen. Dabei muss es sich nicht um etwas Aufwendiges handeln: nur ein paar Bilder, die in einem Dokument zusammengefasst sind und das du während der Arbeit auf deinem Computer geöffnet hast.

Schritt 3: Wähle die besten Tools für dein Projekt

Man kann sagen, dass es nicht unbedingt eine Rolle spielt, welche Tools du nutzt. Theoretisch kannst du eine Figur genauso gut mit Stift und Papier designen wie auf dem Computer, und auch die beste Software wird nicht über ein schlechtes Konzept oder mangelnde künstlerische Grundlagen hinwegtäuschen.

Stift und Papier regen unsere Vorstellungskraft an und verhindern, dass wir nicht weiterkommen.

Welche Tools du nutzen solltest, hängt hauptsächlich davon ab, auf welchen Stil du es abgesehen hast, von deinen Vorlieben und dem Dateityp deines Kunden. Manche Stile, zum Beispiel Watercolor, können auf dem Computer nachgeahmt werden, aber in der Regel wird das Ergebnis auf dem Originalmedium am besten. Die persönliche Vorliebe hängt natürlich von deiner Erfahrung ab.

Kinderbuch-Cover-Illustration mit einem Mädchen- und Katzen-Figurendesign
Von velcheva

Letztendlich solltest du deine Entscheidung von der Art der Bilddatei abhängig machen, die der Kunde sich wünscht. Heutzutage erwarten die meisten Kunden eine digitale Datei, die sich leicht speichern und teilen lässt, in der Regel eine Quelldatei von einem Programm wie Photoshop und eine einfache Bilddatei wie JPEG.

Auch wenn das Format deines fertigen Designs vom Wunsch des Kunden abhängt, kannst du jedes Tool nutzen, bevor du du an diesen Punkt kommst. Viele der hier interviewten Designer:innen bevorzugen es beispielsweise, erste Skizzen auf Papier anzufertigen.

Top Level Designerin velcheva sagt: „Ich zeichne meine Illustrationen mithilfe eines Grafiktablets auf einem Laptop. Obwohl ich seit Jahren an das Tablet gewöhnt bin, ist es für mich immer noch recht schwierig, mit dem Zeichnen zu beginnen; ich zeichne eine Linie, lösche sie, zeichne eine neue und lösche sie wieder. Auf dem Papier ist es für mich viel leichter, mit dem Zeichnen zu beginnen.“

Ich beginne meine Zeichnungen immer auf Papier, trotz jahrelanger Erfahrung mit einem Tablet. 

Designerin Cross The Lime beschreibt ihren Prozess wie folgt: „Ich zeichne die Umrisse per Hand und nutze dann Adobe Illustrator, um sie zu vektorisieren und Farbe hinzuzufügen – das geht schneller für mich und sieht natürlicher aus als konstruierte Linien und Vektoren.“

Wie bereits erwähnt, werden die analogen Tools, seien es Tintenfässchen oder Pinsel, vom Stil abhängen, für den du dich entscheidest. Digitale Zeichentools können flexibler sein, aber lass uns kurz einen Blick auf einige Programme werfen, die für Figuren-Design am häufigsten genutzt werden:

  • Adobe Photoshop Clip Studio Paint Krita für digitales Zeichnen (besorg dir ein Grafiktablet und einen Stylus)
  • Adobe Illustrator / Affinity Designer für Vektor-Figuren (in der Regel für Logo-Figuren oder Markenmaskottchen genutzt)
  • Maya / ZBrush / Blender für 3D-Figuren
  • Procreate zum Zeichnen auf einem Tablet (ahmt das Gefühl nach, auf einem Zeichenblock zu zeichnen. Besorg dir einen Stylus)

Schritt 4: Beginne mit (vielen) Thumbnails

Den Begriff „Thumbnail“ kennst du vielleicht aus dem Internet: Ein Thumbnail ist ein kleines Vorschaubild eines Bildes oder Videos. In der Illustration ist die Idee ähnlich. Thumbnails sind kleine Vorschaubilder, aber der Zweck ist ein anderer.

Thumbnail-Skizzen ermöglichen es Kreativen, ihre Ideen in die Praxis umzusetzen und verschiedene, schnelle Zeichnungen auszuprobieren, bevor sie sich auf eine Idee festlegen. Designerin noodlemie erklärt: „Ich zeichne ein paar grobe Skizzen auf Papier und nachdem ich mir ein paar Beispiele für Stil und Farbgebung angesehen habe, fertige ich die eigentliche Zeichnung digital an.“

Illustration eines anthropomorphen Afrika-Figurendesigns
Design von noodlemie

Arbeite schnell und im Kleinen

Für Thumbnail-Skizzen gibt es keine empfohlene Größe, aber sie sollten im Idealfall klein genug sein, dass Dutzende auf eine Seite passen. Sie sollten auf die meisten Details verzichten und sich auf Grundformen und Gesten konzentrieren. Das Wichtigste hier ist Vielseitigkeit, was die Posen, „Kameraperspektiven“ und das Referenzbild betrifft, auf das du dich beziehst. Skizziere so viele Ideen wie möglich, selbst wenn du bereits eine gefunden hast, die dir gefällt.

Geschwindigkeit und Menge sollten ebenfalls im Mittelpunkt stehen: Versuche, jedes Thumbnail in weniger als einer Minute zu zeichnen. Das verhindert, dass du es bei der Zeichnung zu genau nimmst, denn je mehr Zeit du in eine Skizze investierst, umso weniger wirst du gewillt sein, sie zu ändern. Durch schnelles Zeichnen wirst du der Figur auch eine gewisse Energie verleihen.

Ein weiterer unserer Top Level Designer, BayuRIP, nutzt diese Phase, um das Konzept weiter zu verbessern. „Kombiniere ein paar Elemente in der Figur und mache sie ausgefallen und einzigartig. Probiere Formen und Perspektiven und gib deinem Design deinen persönlichen Stil.“

Achte auf Formen und Silhouetten

Wenn du ausreichend Thumbnails hast (mindestens im zweistelligen Bereich), solltest du die Silhouetten ausfüllen. Das bedeutet, dass du die Form übermalst, sodass du sehen kannst, ob sich das Bild nur anhand seines Umrisses klar erkennen lässt. Frage dich dann, ob du erkennen kannst, worum es sich bei dem Bild handelt. Welche Formen dominieren? Ist die Pose klar?

Achte auf eine klare Silhouette: Sorge dafür, dass Ohren, Kopfform und Haltung der Arme klar definiert sind.

Cross The Lime fasst zusammen: „Es ist sogar noch wichtiger, dass du beim Designen auf eine klare Silhouette achtest. Sorge dafür, dass Ohren, Kopfform und Haltung der Arme klar definiert sind, sodass man die Figur selbst dann erkennen kann, wenn man nur die Silhouette sieht.“ Falls du es noch nicht getan hast, solltest du dich über Formensprache informieren. Dabei handelt es sich um eine grundlegende Möglichkeit (zusätzlich zur Farbe später), um Eigenschaften und Emotionen zu vermitteln, zum Beispiel Stabilität, Gefahr oder Unschuld.

Schritt 5: Stelle deine Skizze fertig

Wenn du nach diesem Schritt genug vom Skizzieren hast, habe ich eine gute Nachricht für dich!

Kleiner Scherz – es ist Zeit, noch mehr zu skizzieren. Allerdings ist es eine gute Idee, an diesem Punkt eine Pause zu machen, wenn du Zeit dafür hast. So bekommst du deinen Kopf frei und kannst dann mit einer neuen Sichtweise zu deinen Thumbnails zurückkehren. Wenn du bereit bist, dich wieder an die Arbeit zu machen, finde das Thumbnail, das am ehesten deinem Konzept entspricht. Dann erstellst du eine größere, detailliertere Skizze, die als Grundlage für dein finales Werk dienen wird.

Miniverso Studio hebt die Bedeutung dieser Phase hervor: „Die Digitalisierung unserer Figur wird mit einer gut ausgearbeiteten Skizze einfacher.“

Finalisiere Pose und Einzelheiten

Das Wichtigste in dieser Phase sollte die Pose sein, also nimm dir die Zeit, ein paar Optionen zu skizzieren, die die Persönlichkeit der Figur zeigen. Wenn du eine Figur für einen Animator designst, wirst du auch eine Handvoll T-Posen skizzieren müssen. Diese zeigen die Figur von vorn, von hinten und von der Seite, bei der die Beine zusammen stehen und die Arme ausgestreckt sind. Diese geben dem Animator einen neutralen Blick auf das Design. T-Posen können auch hilfreich sein, um Details zur Kleidung herauszufinden, die in ausdrucksstärkeren Posen vielleicht verloren gehen.

Cross The Lime rät: „Denke beim Skizzieren daran, dass deine Figur abhängig von ihrer Nutzung in der Lage sein muss, sich zu bewegen. Wird sie ein Schild halten, über Dinge springen oder sich nach vorn beugen müssen? Die Anatomie deiner Figur muss all diese Dinge ermöglichen. Idealerweise ist in deinem ersten Entwurf zu sehen, wie deine Figur aussieht, wenn sie sich umdreht. Wie wird sie von vorn aussehen, wie von der Seite, wie in der Zweidrittelansicht und vielleicht von hinten.“

Neben der Pose solltest du auch besonders auf Details wie Gesichtsausdruck, Gesten und Falten in der Kleidung achten, um das Design so weit wie möglich zu entwickeln. „Der Gesichtsausdruck, besonders die Augen, definieren erheblich die Stimmung der Figur“, sagt Maylyn. „Die Körperhaltung und Farben lassen die Figur hervorstechen. Daher muss alles zueinander passen, um deine Figur lebendig und glaubwürdig zu machen.“

Logodesign für Cart Racing mit Panda-Figur
Von Maylyn

Der Gesichtsausdruck, besonders die Augen, definieren erheblich die Stimmung der Figur. Ihre Kleidung verleiht ihr Persönlichkeit. Alles muss zusammenpassen, um sie zum Leben zu erwecken.
- Maylyn

Sammle Feedback, bevor du fortfährst

Wenn du in einem Team oder mit Kunden arbeitest, ist dies ein gute Zeitpunkt, um Feedback zu sammeln, bevor du weiter machst. In dem Fall solltest du ein paar Optionen (nicht mehr als drei) zu bieten haben. Der Zweck dieser Skizze ist es, als Anleitung für dein finales Werk zu dienen, daher wird es ab hier immer schwerer, große Änderungen am Design vorzunehmen.

Schritt 6: Rendere dein Figuren-Design

An diesem Punkt hast du gewissermaßen bereits erfolgreich eine Figur designt. Bei Design geht es weniger um zeichnerisches Talent als um Entscheidungen und darum, das Konzept zu entwickeln. Der Großteil dieser harten Arbeit liegt nun hinter dir. Jetzt beginnst du mit dem Rendern, was bedeutet, dass du aus der Skizze eine fertige Grafik machst. Das meint allerdings nicht, dass du dem Rendern weniger Aufmerksamkeit schenken sollst. Damit dein Figurenkonzept auch ankommt, muss es vorzeigbar sein. Außerdem fallen dir, je realistischer dein Design wird, vielleicht Details auf, die du ändern musst.

Digitalisiere die Skizze

Wenn du bis jetzt auf Papier gearbeitet hast, wirst du deine Skizze zunächst digitalisieren müssen. Das kannst du heutzutage relativ leicht auf einem Smartphone, wie velcheva uns verrät: „Ich mache Bilder mit meinem Telefon und schicke eine Nachricht an mich selbst über einen Messenger, der auch auf meinem Laptop installiert ist (das ist viel schneller als Scannen). Ich mache ein Foto der Skizze, mache aus ihr eine durchsichtige Ebene und zeichne in einem Grafikprogramm über sie drüber.“

Konvertiere das Bild auch in Schwarz-Weiß und passe den Kontrast an, damit die Linien zur Geltung kommen. Es kann auch hilfreich sein, eine saubere, digitale Skizze mit dem Pinselwerkzeug darüber zu zeichnen. Oder du beginnst gleich mit dem Einfärben, wenn deine Figur farbige Cartoon-Linien enthält. Und schließlich musst du darauf achten, die Deckkraft deiner Skizze zu verringern, damit du über sie drüber zeichnen kannst.

Wenn du bei einer physischen Zeichnung bleibst, kannst du Pauspapier nutzen, um eine saubere Version deiner Skizze auf deine Arbeitsfläche zu übertragen.

Konzentriere dich auf den Hellbezugswert

Die meisten Kreativen konzentrieren sich beim Rendern zuerst auf den Hellbezugswert. Der Hellbezugswert bezieht sich auf Licht und Schatten und da dies eine Herausforderung für sich sein kann, unterscheidet man am besten den Hellbezugswert von der Farbe.

Digital gemalte Schwarz-Weiß-Porträts
Von Nemanja Vulevic

Für den Hellbezugswert wählt man gegensätzliche Grautöne für Schatten, Mitteltöne und Schlaglichter. Male mit dem Mittelton über deine Figur und arbeite dabei in einer separaten Eben unter deiner Skizze. Entscheide als Nächstes, aus welcher Richtung deine Lichtquelle kommt (vergiss nicht die sekundären Lichtquellen wie das vom Boden reflektierende Licht, das auf deine Figur trifft) und färbe die allgemeinen Bereiche für Schatten und Schlaglichter der Figur ein.

Wenn du einen malerischeren Stil möchtest, kannst du diese Töne miteinander vermischen, indem du einen Pinsel mit geringerer Deckkraft nutzt und neue Grautöne mit der Pipette auswählst. Ansonsten neigen die meisten Cartoon-Stile dazu, die harten Kanten für ihre Farben und Schattierungen beizubehalten. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie all das gemacht wird, schaue dir Videos von anderen Figuren-Designer:innen auf YouTube an.

Füge Farbe hinzu

Wenn es an die Farbe geht, hast du laut Miniverso Studio die finale Phase erreicht! „Mach deinen Lieblingssong an und suche nach dem bequemsten Platz; in dieser Phase ist das fertige Werk die Belohnung für deine harte Arbeit.“

Pastellfarbene Sticker mit süßen Figuren!
Figuren-Design von Miniverso Studio

Du solltest Farben wählen, die zur allgemeinen Stimmung der Figur und ihrer Story beitragen, die aber auch realistisch sind. Ein gutes Verständnis von Farbenlehre und Farbpsychologie sowie Erkenntnisse aus den Farben deiner Referenzbilder können dabei helfen, die ideale Farbpalette zu finden.

In einer separaten Farbebene zu arbeiten, bei der man nichts kaputtmachen kann, ermöglicht es dir ebenfalls zu experimentieren. Wenn du bereit bist, deine Farben hinzuzufügen, nutze eine Füllmethode wie „Farbe“ in Photoshop, um deine Tonwerte mit den richtigen Farben zu füllen.

Schritt 7: Verleihe der Figur den letzten Schliff

Keine Figur lebt in einem Vakuum. Also, Galactus lebt genau genommen im Weltall, aber für alle anderen ist es wichtig, eine Umgebung zu schaffen, um sie zu präsentieren.

Entscheide dich für einen Hintergrund

Vintage Pilotenfigur-Designillustration
Dieses Figuren-Design von Studio yknot nutzt einen neutralen, texturierten Hintergrund.

Einen Hintergrund mit Szenerie und Dekoration zu erstellen, ist nicht nur viel zusätzliche Arbeit, sondern kann auch von der Figur ablenken.

Stattdessen besteht eine Möglichkeit darin, einen entfernt wirkenden, verschwommenen Hintergrund mit grob gezeichneten Formen hinter der Figur zu kreieren. Aber die meisten Kreativen entscheiden sich für einen relativ simplen Hintergrund, häufig in einem neutralen Grauton mit einem dezenten Farbverlauf oder einer Textur. Deine gewählten Farben können die Stimmung der Figur weiter unterstreichen. Ein Schatten auf dem Boden ist ebenfalls ein einfacher Weg zu verdeutlichen, dass sich deine Figur in einem Raum befindet, und die Beleuchtung zu untermauern.

Erstelle eine Präsentation

Zusätzlich solltest du eine Kundenpräsentation erstellen. Diese Präsentationen enthalten oftmals weitere Varianten möglicher Posen (einschließlich neutraler Posen), Outfits, Gesichtsausdrücke sowie Nahaufnahmen und Profilansichten des Gesichts. 

Diese Variationen können sehr viel simpler sein als die Hauptpose, da diese im Mittelpunkt stehen sollte. Manche Kreative zeigen gern ein paar Skizzen und Thumbnails, sodass der Kunde die Entwicklung des Konzepts würdigen kann. Dies gibt dem Kunden nicht nur Optionen, sondern erzeugt auch das Gefühl, dass die Figur lebendig und nicht auf eine statische Pose festgelegt ist.

Bevor du deine Präsentation an den Kunden schickst, ist es natürlich eine gute Idee, selbst noch einmal ehrlich zu bewerten, wie du die fertige Figur findest.

„Frage dich: Bringt die Figur mich zum Lachen? In meinem Fall ist Comedy ein riesiger Faktor“, beschreibt Künstlerin bananodromo ihren Prozess. „Ich liebe alberne Details, groteske Ausdrücke, Surrealismus und einen Überraschungseffekt. Natürlich gilt das nicht für alle Projekte […], aber für die kreativsten größtenteils schon.“

Werbegrafik einer Frau in einem überquellenden Bad
Zu viele Informationen gibt es nicht. Von bananodromo

Schritt 8: Letzte Tipps zu Figuren-Design

Figuren-Design mag wie künstlerische Zauberei wirken, aber tatsächlich erfordert es Überlegung, Experimentieren und harte Arbeit, um ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen. Während die hier beschriebenen Schritte einen guten Rahmen für den Anfang bieten, braucht es Zeit und Übung, um dein Können als Figuren-Designer:in zu verbessern.

Daher haben wir hier noch ein paar abschließende Ratschläge von erfahrenen Figuren-Designer:innen, die dir auf deinem Weg helfen:

1. Finde heraus, was dir gefällt, rät InQueen: „Wenn du Figuren designen möchtest, hier mein Rat. Zunächst einmal musst du realistisch sein und wissen, worin du gut bist und worin nicht. Versuche alles und schaue, was dir gefällt. Wofür brennst du wirklich? Ich liebe meinen Job und ich weiß, dass er nicht für jedermann ist. Er erfordert jede Menge Disziplin und harte Arbeit. Wirklich harte Arbeit. Jeden Tag. Es ist ein schwieriger Weg, aber er macht Spaß.

2. Denke positiv wie c-artworker: „Egal wohin du gehst, zeichne immer Skizzen auf Servietten, Papier, einem Tablet oder was auch immer. Mit der Zeit kommst du so zu einer Sammlung von Formen, Gesten und Figuren. Sei nicht frustriert, wenn dein Vorschlag abgewiesen wird! Du hast einen wunderbaren Job, bei dem du nicht Anzug und Krawatte tragen musst, und du musst deinem Chef auch keinen Kaffee kochen!“

3. Oder sei hartnäckig wie Maylyn: „Finde Zeit zum Üben. Als Anime-Liebhaber habe ich mit dem Zeichnen von Anime-Figuren angefangen. Und das hat mir geholfen, mein Können mit der Zeit zu verbessern.“

4. Und zu guter Letzt zeigt ananana14 uns, wie es beim Figuren-Design darum geht, deine Nische zu finden: „Als ich mit Grafikdesign anfing, schienen Figuren weit weg und unerreichbar. Dann holte ich mir eine Katze, dann noch eine und dann – du ahnst es schon – begann ich damit, Katzen zu zeichnen. Mir fiel auf, wie sie laufen, wie sie sitzen, ihre Posen und das nutzte ich in meinen Zeichnungen. Es half mir auch, dass Katzen nicht rumsitzen und warten, bis meine Zeichnung fertig ist. So lernte ich, schnell die wichtigsten Eigenschaften zu verstehen, diese überspitzt darzustellen und mich nicht in den Details zu verheddern.“

Du willst deine Figur zum Leben erwecken?
Unsere Design-Community kann so gute wie alles kreieren.