Virtual Reality umschreibt eine computersimulierte Welt, in die wir mithilfe der richtigen Hardware eintauchen und versinken können.

Die Realität ist die meiste Zeit über okay, aber es gibt noch Luft nach oben. So viel Spaß es auch macht, ein schnelles Auto zu fahren, würdest du nicht lieber wie ein Vogel durch die Luft fliegen? Was wir damit meinen ist, dass die Realität ein toller Ort zum Leben ist, aber hin und wieder würden wir gern Orte besuchen, die ein bisschen unrealistischer sind. Und gemessen am Aufstieg von VR-Design in den letzten Jahren, sehen viele Leute das genauso. Virtual Reality!

AR VR design illustration
Virtual Reality-Design: Die Zukunft des Onlinehandels oder die Zukunft der Gimmicks? Von PHACE.

Für Designer stellt die Ankunft von Virtual Reality einige einzigartige Herausforderungen dar und schafft gleichzeitig viel Raum für Innovation und neue Möglichkeiten, etwas Großes zu schaffen. Die Frage ist: Wie schaffst du diesen Übergang?

Dieser Artikel hilft dir dabei. Wir erklären VR-Design von Grund auf, beginnen mit den Grundlagen und enden ihn mit den bewährtesten Praktiken. Wer hätte geahnt, dass Gott spielen so technisch sein kann?

Was ist VR-Design?

Sensorama VR design
Wenn du glaubst, der Sensorama aus den frühen 1960er Jahren sieht albern aus, stell dir nur vor, was deine Enkel über Oculus Rift sagen werden. Via Wikimedia Commons.

VR-Design ist die Erschaffung einer simulierten Welt, die Menschen mithilfe von Hardware wie Headsets erleben und in die sie eintauchen können.

Virtual Reality, wie wir es heute kennen, hat tatsächlich eine lange Geschichte. Der Ursprung geht Jahrzehnte zurück. VR wurde bereits für praktische Anwendungen wie Flugsimulationen der NASA und zur Unterhaltung, wie dem sensationellen Sensorama verwendet.

Aber noch nie zuvor in der Geschichte war Virtual Reality so greifbar – und profitabel. Durch die jüngsten technischen Entwicklungen im Bereich VR sagen viele Leute voraus, dass es sich letztendlich in allen Branchen ausbreiten wird. Evangelisten schätzen, dass dies die nützlichsten Anwendungsgebiete sein werden:

Es gibt auch einen nachgewiesenen Nutzen für die persönliche Entwicklung und Selbstwahrnehmung. Ja, du hast richtig gelesen. Eine Stanford-Studie hat gezeigt, dass Nutzer, die sich selbst in einem VR-Spiegel um 70 Jahre gealtert sahen, später „wesentlich mehr Geld“ für ihre Rente zurücklegten als die Kontrollgruppe. Eine andere Studie der Stanford-Universität Georgia hat gezeigt, dass Nutzer, die sich einer VR-Holzfällersimulation unterzogen, hinterher 20% weniger Papierprodukte nutzten.

Birdly VR flight simulation
Birdly von SOMNIACS ist gerade auf den Markt gekommen und alter Schwede, sind deine Arme danach müde.  Photo via Ultra VR.

Im Moment erfreut sich VR vor allem in der Unterhaltungsindustrie großer Beliebtheit. Die unterhaltsamen und kreativen Möglichkeiten, VR im Freizeitbereich zu nutzen, sind grenzenlos, von neuen Wegen, Rembrandt zu genießen, hin zu Filmen in Netflix‘ virtuellem Heimkino.

Am meisten Gewinne macht VR-Design im Moment in der Spieleindustrie. Viele betrachten es als Game Changer, der andere Spielekonsolen verdrängen oder zumindest einen großen Anteil übernehmen wird. Dies ist zurückzuführen auf Oculus Rift aus dem Jahr 2016, dem ersten Gaming Headset und sein „Erfolg“ (Heißt: Die Tatsache, dass das erste VR Gaming Headset keine Katastrophe war, ist ein Erfolg.).

Wie also designt man „Realität“? In der Praxis ist VR-Design dem Videospieldesign am nähesten und oftmals sind sie sogar ein und dasselbe. Webdesigner werden in Sachen Interaktivität und Besonderheiten der UX einige bekannte Dinge vorfinden, aber visuell ist es eine ganz andere Liga. Es gibt viele besondere visuelle Herausforderungen beim Virtual Reality Design, wie die Veränderung von Tiefen, erkennbare Cues und das Einfügen funktioneller Steuerungen innerhalb der Umgebung.

A VR company website header image
von This is Amazing

Außerdem gibt es das Dilemma der Immersion – VR-Designs größte Stärke kann auch zu seiner größte Schwäche werden. Alles, was dein Nutzer sieht und macht, muss sorgfältig geplant sein. Du kannst ihn nicht mit zu vielen Elementen überreizen oder mit zu wenigen langweilen. Du musst dafür sorgen, dass seine nächste Aufgabe klar ist und alle wichtigen Elemente aus allen Winkeln sichtbar sind. VR-Design gibt dem Designer mehr Macht in die Hand, im Guten wie im Schlechten.

Wir werden weiter unten noch viel darüber reden, aber im Moment ist es wichtig, die richtige Denkweise für VR-Design einzunehmen. Dabei musst du in der Lage sein, etwas aus allen Winkeln zu betrachten, im übertragenen Sinne und buchstäblich.

Virtual Reality Design: Modeerscheinung oder der neue Standard?

Die zunehmende VR-Entwicklung lässt die Leute darüber streiten, ob VR das nächste große Ding ist oder nur ein kurzzeitiger Trend.

uForis VR logo design
uForis VR Logo-Design von Descience

Beide Seiten haben gute Gründe. Die Pessimisten führen die Einschränkungen der Technik an, ganz zu schweigen vom heftigen Preis (Oculus Rift kostet $399, HTC VIVE $499 und günstigere Modelle wie PlayStation VR um die $299.) Es ist auch nicht gerade hilfreich, dass manchen Menschen durch VR schlecht und schwindelig wird.

Die Verkaufszahlen waren auch nicht besonders eindrucksvoll, obwohl die VR-Branche Ende 2018 stark zurückkam. Die meisten Analysten machen die Neuheit der Technik für die schlechten Zahlen verantwortlich. Sie ist immer noch teuer und unbekannt. Allerdings gaben die meisten Befragten einer Umfrage an, dass sie sich ein VR-Headset kaufen würden, wenn sie es sich leisten könnten. Dies weist darauf hin, dass der Markt wachsen wird, wenn die Preise in der Zukunft fallen.

Die VR-Branche selbst wächst jeden Tag und es kommen immer mehr neue Unternehmen dazu. Tatsächlich ist laut VirtualRealityMarketing, deren Kundenstamm von 99 im Jahr 2015 auf 2.700 im Jahr 2018 wuchs, die Anzahl der VR-Unternehmen im letzten Jahr „massiv gewachsen“. Nach ihrer Zählung werden jeden Tag irgendwo auf der Welt 1,5 Unternehmen gegründet.

VirtualRealist logo design
VirtualRealist Logo-Design von NOVACHB

Aber im Moment scheint es, dass der Status von VR-Design noch nicht den Ambitionen der Investoren entspricht. Obwohl es mehr VR-Designer als jemals zuvor gibt, handelt es sich noch immer um eine neue Branche, deren Regeln sich noch in der Entwicklung befinden.

Dennoch gibt es genügend Informationen, die eine solide Basis für den Anfang bieten. Wir haben die zuverlässigsten Praktiken für Virtual Reality gesammelt, um dir einen Vorsprung zu geben, falls du mitmischen willst.

Die besten Praktiken für VR-Design

Schauen wir uns einmal genau an, was VR-Designer wissen müssen, bevor sie sich die Hände schmutzig machen. Um zu zeigen, was erlaubt ist und was nicht, werden wir uns auf unsere imaginäre VR-Shopping App 99hemlines beziehen.

An illustration of a sample VR clothing store
99hemlines: unser imaginäres Beispiel. Von felipe_charria

Bitte beachte, dass wir hauptsächlich Designprinzipien in Bezug auf Virtual Reality besprechen. Wenn du technische Fragen hast, hängen diese größtenteils vom Gerät ab, für das du designst. Die meisten VR-Unternehmen bieten technische Richtlinien zu Virtual Reality-Design auf ihren Plattformen, wie den Oculus Rift Best Practices Guide.

Interaktion

Semantische und responsive Gesten

Fangen wir mit der Steuerung an, welche für Interaktivität die höchste Priorität hat. VR-Design genießt nicht den Luxus verschiedener Button für verschiedene Aktionen. Du kannst nicht einfach klicken wie mit einer Maus. Stattdessen muss die Steuerung über Gesten innerhalb der von dir designten Umgebung erfolgen.

Um es einfach zu machen, kannst du die Arten der Steuergesten in zwei Hauptgruppen unterteilen: semantische und responsive. Semantische Gesten sind normale Bewegungen, mit denen wir auch in der Realität vertraut sind: laufen, den Hals strecken, um etwas zu sehen, nicken für ein „Ja“ etc. Responsive Gesten sind solche, mit denen wir mit unserer Umgebung interagieren: Dinge aufheben, werfen, Knöpfe drücken etc. Responsive Gesten zu designen ist schwieriger, weil du zudem die Besonderheiten eines Objekts beachten musst, wie Gewicht oder Aerodynamik.

An illustration of a sample VR clothing store
Responsive Gesten ermöglichen es Nutzern, in einer virtuellen Realität zu interagieren. Von felipe_charria

Für 99hemlines könnten wir also responsive Gesten nutzen, damit Käufer Kleidung von der Stange „ziehen“ können, genauso wie im echten Leben. Wenn es an der Zeit ist zu bezahlen, könnten wir eine semantische Geste, wie das Antippen der Hosen- oder Handtasche, nutzen, um zu simulieren, wie jemand sein Portemonnaie herausholt.

Dein Ziel besteht vor allem darin, die Realität zu kopieren, also versuche, so viele natürliche Gesten wie möglich zu verwenden. Je weniger „Steuerungen“ dein Nutzer lernen muss, umso leichter wird es für ihn, in die virtuelle Realität einzutauchen.

Nutze klare Zeichen aus der Realität

Eine weitere Herausforderung besteht darin, deinen Nutzer wissen zu lassen, womit er interagieren kann und wie. Designer sollten ihnen Hinweise basierend auf der echten Welt geben – beispielsweise ein großer, glänzender Türgriff, der auf eine Tür hinweist. Diese Hinweise oder Zeichen, genannt „Affordances“, zu Deutsch Angebotscharakter, sollten selbsterklärend sein; beim Türgriff-Beispiel werden Nutzer instinktiv versuchen, ihn zu greifen, um mit ihm zu interagieren und ihn nicht wie einen Button antippen.

Bestätigungen

Da potenziell alles in deiner Umgebung interaktiv sein könnte, werden deine Nutzer stetig Feedback haben wollen, damit sie keine Zeit verschwenden. Lasse sie wissen, dass eine Handlung abgeschlossen ist, entweder mithilfe von Affordances oder auch einfach nur einem Soundeffekt. Dies entspricht denselben Regeln wie für E-Commerce – statt eines Popups, das dir sagt, dass deine Bestellung bearbeitet wird, kann VR jedoch lebensecht sein, wie das Klingeln einer Kasse oder eine Dialogzeile vom virtuellen Kassierer.

Belasse Menüs innerhalb der Welt, um die Immersion zu stärken

Wenn du die Straße entlang gehst, gibt es keine Hamburger-Menüs in der oberen rechten Ecke deines Sichtfelds. Solche Menüs und HUDS konterkarieren die VR-Immersion. Eine bessere Alternative ist, alle nötigen Informationen innerhalb der Welt selbst einzufügen (z. B. könntest du alle Timer oder Countdowns auf der Uhr des Avatars platzieren). Dies erfordert kreative Problemlösung, aber deine Nutzer werden dir für die harte Arbeit danken.

Sei vorsichtig mit Distanz

Abgesehen von den visuellen Herausforderungen solltest du es vermeiden, dass dein Nutzer zwischen nah und fern hin und her schauen muss, damit seine Augen nicht zu oft den Fokus verändern müssen. Versuche, die relevanten Bilder für eine Aufgabe auf derselben Tiefenebene zu halten.

An illustration of a sample VR clothing store
Im VR-Design müssen Designer kreativ werden, um logistische Probleme zu lösen, wie dieses Karussell zum Durchstöbern von Kleidung. Von felipe_charria

In unserem imaginären VR-Geschäft 99hemlines verkaufen wir eine Menge imaginärer Kleidung. In der realen Welt könnten wir sie in einem großen, offenen Raum ausstellen, wie dies die meisten Kaufhäuser tun, aber in der virtuellen Realität würde es die Augen deiner Nutzer zu sehr anstrengen, Kleidung zu durchstöbern, die sowohl nah als auch fern ist. Stattdessen entscheiden wir uns dazu, unseren Laden in kleinere Räume zu unterteilen, die wie bei Kategorien im Onlinehandel nach Art unterschieden werden und bei denen die Nutzer in einem digitalen Karussell zwischen den verschiedenen Arten hin und her wechseln, damit alle relevanten Kleidungsarten zu jeder Zeit nah beim Käufer sind.

Audio & Bild

Konkave Texte und Bilder

Da unser eigenes Sichtfeld gewölbt ist, ist es am besten, Texte und Bilder, die nicht Teil der Umgebung sind, als leicht gewölbte, konkave Oberflächen darzustellen. Dies eignet sich besser für die visuelle Immersion und wird gleichmäßiger aussehen, wenn der Nutzer seinen Kopf dreht.

Lautsprecher vs. Kopfhörer

Lautsprecher eignen sich am besten für Audio-Immersion, da du die Richtung ändern kannst, aus denen der Sound kommt und ihn sogar als Teil der Aktivität nutzen kannst. Kopfhörer schränken diesen Vorteil ein, aber du solltest den Nutzern dennoch diese Option geben. Am besten designt man für Lautsprecher, um einen möglichst realistischen Ton zu kreieren, und passt ihn dann an Kopfhörer an.

Rendere Avatare nur wenn nötig

Rendering kann selbst für das durchdachteste VR-Design zum Problem werden. Und obwohl es die Bilder so viel wirkungsvoller macht, lohnt es sich nicht, dafür Glitches oder Unstimmigkeiten zu riskieren. Das gilt besonders für den Körper des Avatars, den man mehr als jedes andere Element sehen wird.

Beschränke dich auf das Nötigste, wenn es um das Rendern von Avataren geht. Es ist besser, überhaupt keinen Körper zu haben als einen mit ablenkenden Fehlern. Der Stellenwert eines Avatars hängt von seiner Anwendung ab – in einem Spiel trägt ein komplett gerenderter, außerirdischer Soldat zur Illusion bei, aber für ein berufliches Training brauchst du wahrscheinlich nur kantige, körperlose Hände.

Nutze optische Effekte, um Tiefe und Raum zu vermitteln

An illustration of a sample VR clothing store
In der virtuellen Realität können Raumverhältnisse von virtuellen Objekten eine Herausforderung für Designer sein. Von felipe_charria

Dreidimensionale Elemente lassen sich im echten Leben problemlos erkennen, aber vergiss nicht, dass VR noch immer auf einem 2D-Display basiert. Das macht das Zeigen von räumlichen Verhältnissen besonders schwierig für Designer; Nutzer müssen wissen, wie nah oder fern sie von einem Objekt und voneinander entfernt sind, um richtig zu handeln.

Die gute Nachricht ist, dass Designer viele traditionelle visuelle Effekte nutzen können, um Raum und Distanz besser herauszubilden. Klassische Techniken wie Isometrik, Beleuchtung und Schatten können – ebenso wie moderne Techniken wie Parallaxe und Texturen – dabei helfen, realistische 3D-Räume zu erzeugen

Designe für den menschlichen Körper

Menschen bewegen sich in Bögen

Damit die Körperbewegung im VR-Design denen aus dem echten Leben ähneln, darfst du nicht vergessen, dass sich unsere Gliedmaßen in Bögen bewegen, nicht in geraden Linien. Der häufigste und verständliche Fehler, steife Bewegungen zu programmieren, ist ein verräterisches Zeichen dafür, wie real eine Realität ist.

Goldlöckchen-Zone

Eine übertriebene Kopfbewegung ist etwas, was bei manchen Menschen zu Übelkeit führt und du solltest grundsätzlich vermeiden, dass dein Nutzer seinen Kopf zu sehr bewegen muss. Am besten belässt du interaktive Elemente auf Tisch- und Augenhöhe – genannt „Goldlöckchen-Zone“, weil es nicht zu hoch und nicht zu tief ist.

An illustration of a sample VR clothing store
Achte darauf, dass Elemente auf der richtigen Höhe sind – die Goldlöckchen-Zon. Von felipe_charria

Genau deshalb haben wir uns bei 99hemlines für das Modell einer Kleiderstange entschieden. Wir hätten die Kleidung an die Wand hängen können, um den Vorteil der Höhe zu  nutzen, aber das würde den Käufer dazu zwingen, hoch und runter und nach links und rechts schauen zu müssen. Es ist besser, die Kopfbewegung wann immer möglich einzuschränken.

Ermuntere Nutzer dazu, ihre Hände oben zu halten

Wie im wahren Leben, involvieren die meisten der Interaktionen im VR-Design die Hände. Die Hände deines Nutzers sind sein bestes Werkzeug, um die Umgebung zu entdecken, also ermuntere ihn dazu, sie aufrecht und bereit zu halten. Wenn der Nutzer seine Hände in der virtuellen Umgebung sehen kann, ist es einfacher (und lustiger) mit Objekten zu interagieren. Wie gesagt, dies erfordert kreative Problemlösung, aber manchmal kann es etwas so Einfaches sein, wie sie ein Objekt umhertragen zu lassen.

Der Erfolg von VR hängt von den Designern ab

Aktuell erreichen wir einen Wendepunkt: Die Grenzen des VR-Designs drehen sich immer weniger um die technischen Aspekte und immer mehr um die Vorstellungskraft des Designers. Betrachte dies als Herausforderung. Virtual Reality Design ist Neuland. Natürlich ist es schwierig, einen Anfang zu machen, weil es neu und unbekannt ist, aber aus denselben Gründen gibt es endlose Möglichkeiten.

Du überlässt Virtual Reality Design lieber einem Profi?
Finde den Designer, der deine virtuelle Realität entstehen lässt.