Du hast eine gute Geschäftsidee und willst endlich auf eigene Rechnung arbeiten? Dann leg los – oft gelingt der Start in die Selbstständigkeit schneller und reibungsloser als zunächst befürchtet. Das beginnt schon beim berühmten Gewerbeschein: In vielen Berufen und Branchen brauchst du den gar nicht, um dich selbstständig zu machen! Und wenn doch, ist es gar nicht so schwer, ihn zu bekommen. Hier bringt Wiebke Bernshausen von invoiz Licht ins Dunkel.

Bevor es losgehen kann: Gewerbeanmeldung
Bevor du dein Gewerbe startest: Informiere dich über die rechtlichen Anforderungen (Bildquelle: Unsplash)

Brauche ich einen Gewerbeschein?

Das kommt darauf an, ob du vorhast, ein Gewerbe zu betreiben oder ob du dich als Freiberufler selbstständig machen willst. Wie der Name schon sagt, brauchen Gewerbetreibende …

  • einen Gewerbeschein,
  • sie unterliegen der Gewerbeaufsicht,
  • müssen Gewerbesteuer zahlen,
  • oftmals mehr Buchführungsaufwand betreiben,
  • sich unter Umständen ins Handelsregister eintragen lassen und
  • Mitglied der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer werden.

Zwar sind auch einige freie Berufe „verkammert“, doch die meisten Freiberufler und andere nichtgewerbliche Selbstständige genießen eine Menge Privilegien. Bevor du dir also in vorauseilendem Gehorsam einen Gewerbeschein holst, solltest du erst einmal prüfen, ob das überhaupt nötig ist.

Gewerbe oder freier Beruf?

Als Gewerbe gilt zunächst einmal jede unternehmerische Tätigkeit, die …

  • auf Dauer angelegt ist,
  • auf eigene Verantwortung,
  • auf eigene Rechnung und
  • mit der Absicht betrieben wird, Gewinn zu erzielen. Ob du in der Praxis tatsächlich immer Gewinn erzielst, spielt dabei keine Rolle.

Nun treffen diese Kriterien im Prinzip ja auf alle Geschäftsleute zu. Ohne Zweifel gewerblich sind Händler, Handwerker, Produktionsbetriebe, Makler und andere Vermittler sowie alle Kapitalgesellschaften und die meisten Personengesellschaften.

Freie und ähnliche Berufe

In § 6 der Gewerbeordnung findest du aber auch eine Liste mit selbstständigen Tätigkeiten, die ausdrücklich nicht als gewerblich gelten. Das gilt zum Beispiel für …

  • alle Heilberufe,
  • Apotheker,
  • Erzieher und Lehrer,
  • Rechtsanwälte und Notare,
  • Steuerberater und Wirtschaftsprüfer,
  • Versicherungsunternehmen und Seelotsen, aber auch
  • für kurios klingende Berufe wie den des Auswandererberaters oder auch Verkäufer von Lotterielosen.

Die Aufzählung der nicht-gewerblichen Branchen und Berufe aus der Gewerbeordnung deckt sich weitgehend mit der Liste der Freiberufler-„Katalogberufe“ aus § 18 Einkommensteuergesetz (EStG). Diese Aufzählung ist allerdings länger und differenzierter. Da der Gewerbestatus vor allem (gewerbe-)steuerliche Konsequenzen hat, wird für die Unterscheidung zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden häufig das Einkommensteuerrecht herangezogen.

Als Freiberufler gelten demnach – neben den bereits genannten Berufen – auch die folgenden Selbstständigen:

  • Journalisten und Bildberichterstatter,
  • Dolmetscher und Übersetzer,
  • Architekten, Vermessungsingenieure und andere Ingenieure,
  • beratende Volks- und Betriebswirte,
  • Handelschemiker,
  • alle selbstständig ausgeübten wissenschaftlichen, künstlerischen und schriftstellerischen Tätigkeiten sowie
  • „ähnliche Berufe“.

Falls deine selbstständige Tätigkeit nicht ausdrücklich in den Aufzählungen auftaucht, lässt du am besten klären, ob es sich um eine Tätigkeit handelt, die der eines Freiberuflers ähnelt. Als Voraussetzung nennt das Steuerrecht, dass du „auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig“ bist.

Definition Freiberufler

Mangels genauerer Angaben im Einkommensteuergesetz dient die Freiberufler-Definition aus dem Partnerschaftsgesetz dabei häufig als Orientierung:

„Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Als Nachweis der „besonderen beruflichen Qualifikation“ wird in der Regel ein Hochschulabschluss verlangt. Ob und unter welchen Voraussetzungen zeitgenössische Berufe wie Webdesigner, IT-Freelancer oder EDV-Berater als Freiberufler eingestuft werden, hängt letztlich vom Einzelfall ab. Am besten sprichst du darüber mit deinem Steuerberater. Falls du Mitglied eines Branchen- oder Berufsverbands bist, kannst du dich aber auch dort nach den Erfahrungen mit der Freiberufler-Anerkennung erkundigen.

Im Zweifel als Freiberufler starten

Mach es dir aber bloß nicht zu kompliziert: Leg im Zweifel einfach als Freiberufler los. Dann kommst du ohne Gewerbeschein aus: Es genügt, wenn du dein Vorhaben beim Finanzamt anmeldest. Da du bis zu einem jährlichen Gewinn von 24.500 Euro ohnehin keine Gewerbesteuer zahlen musst, kümmert sich das Finanzamt oft erst bei Überschreiten des Freibetrages genauer um einen möglichen Gewerbestatus. Solltest du im Nachhinein doch noch als Gewerbetreibender eingestuft werden, drohen dir normalerweise keine Nachteile.


Anmeldung vs. Genehmigung

Beim Gewerbeschein handelt es sich lediglich um den Nachweis, dass du dein Gewerbe angemeldet hast. Die fehlende Gewerbeanmeldung eines vermeintlichen Freiberuflers ist daher kein Beinbruch. Als Entrepreneur im Dienstleistungssektor brauchst du normalerweise ja keine staatlichen Genehmigungen oder gar planungs- oder baurechtliche Zulassungen.

Keinen Mut zur Lücke solltest du allerdings dann haben, wenn du für dein Vorhaben eine staatliche Genehmigung benötigst: Einen Überblick über die wichtigsten erlaubnis- und anzeigepflichtigen Gewerbe (von „A“ wie Altenpflege bis „Z“ wie Zweiradmechaniker) findest du auf der Website der IHK Frankfurt am Main.


Gewerbebetrieb? Kein Problem!

Du bist Händler, Handwerker oder sonstiger Gewerbetreibender? Auch das ist kein Drama. Die Nachteile des Gewerbestatus sind letztlich geringer als oft befürchtet: So bezahlen zum Beispiel viele Kleingewerbetreibende gar keine Gewerbesteuer. Wenn doch, wird der größte Teil auf die Einkommensteuer angerechnet. Und auch die verschärften Handelsregister- und Buchführungsvorschriften greifen erst bei Überschreiten bestimmter Gewinn- und Umsatzgrenzen.

Um den Gewerbeschein kommst du aber nicht herum: Als Gewerbetreibender musst du dein Vorhaben auf jeden Fall beim Ordnungsamt deiner Stadt oder Gemeinde anmelden. Für die Anmeldung genügt ein Personalausweis. Die Gebühren liegen zwischen 20 und 50 Euro. Manche Kommunen ermöglichen auch die Online-Anmeldung.

Formular zur Gewerbeanmeldung GewA1
Formular zur Gewerbeanmeldung GewA1

Als Grundlage der Anmeldung musst du das Meldeformular „GewA1″ ausfüllen. Das gilt übrigens auch dann, wenn du dich nebenberuflich selbstständig machst: Einen Unterschied zwischen Haupt- und Nebenberuf macht das Gewerberecht nicht!

Neben deinen persönlichen Daten machst du auf dem Meldeformular folgende Angaben:

  • Standort deines Betriebs,
  • Beginn des Gewerbebetriebs,
  • Art des Betriebes („Industrie“, „Handwerk“, „Handel“ oder „Sonstiges“),
  • Art deiner Tätigkeit,
  • Ausübung im Haupt- oder Nebenerwerb,
  • Anzahl der Voll- und Teilzeit-Mitarbeiter sowie
  • Grund der Gewerbeanmeldung (z. B. Neugründung, Übernahme, Rechtsformwechsel)

Außerdem musst du angeben, ob du für deine Tätigkeit eine Erlaubnis benötigst: So müssen Handwerker in die Handwerksrolle eingetragen sein, Ausländer brauchen eine Aufenthaltserlaubnis, die sie zur Aufnahme eines Gewerbes berechtigt.

Art der Tätigkeit

Wichtig: Die „Art der Tätigkeit“ grenzt du am besten nicht allzu genau ein! Angenommen, du willst dich als Ebay-Händler auf den An- und Verkauf von iPhones spezialisieren. Dann genügt die Angabe „Online-Handel“ oder allenfalls „Online-Handel mit elektronischen Geräten aller Art“. Würdest du dich auf „Online-Handel mit iPhones“ festlegen, wäre bei Aufnahme von iPads oder Samsung-Smartphones in dein Sortiment von Rechts wegen bereits eine gebührenpflichtige Gewerbeummeldung fällig: Den Aufwand kannst du dir sparen.

Zurück zur Anmeldung: Nachdem ein Mitarbeiter des Gewerbe- oder Ordnungsamtes deine Angaben überprüft hat, kannst du deinen Gewerbeschein in Form des abgestempelten Meldeformulars in manchen Gemeinden gleich mitnehmen. Anderenfalls bekommst du deine Meldebescheinigung ein paar Tage später per Post zugeschickt.

Eine Anmeldung kommt selten allein

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung
Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Mit der Gewerbeanmeldung ist es leider nicht getan: Das Gewerbeamt informiert automatisch weitere Behörden und Organisationen über die Aufnahme deiner Tätigkeit. Dazu zählen insbesondere …

  • das Finanzamt,
  • die Arbeitsagentur und die Berufsgenossenschaft (falls du Mitarbeiter beschäftigst) und
  • die für deine Branche zuständige IHK oder Handwerkskammer.

Diese Anlaufstellen werden dir dann weitere Fragebögen zukommen lassen. Insbesondere am umfangreichen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ wirst du nicht vorbeikommen. Im Blog von invoiz findest du mehr zum Thema Selbstständigkeit und Finanzamt-Anmeldung.

Über die Autorin:

Wiebke Bernshausen ist als Inbound Marketing Managerin für das Online-Rechnungsprogramm „invoiz“ zuständig. Wenn du auf eigene Rechnung arbeitest, bist du dort genau richtig.