Clevere Marketingleute wissen, dass alle, die die Vorlieben der schwer greifbaren und lukrativen Millennial-Generation entschlüsseln, auf dem besten Weg zum Erfolg sind. Als Millennials bezeichnet man diejenigen, die zwischen 1982 und 2000 geboren sind. Aber eine Verbindung zu dieser Gruppe aufzubauen, ist nicht immer einfach.

Millennials sind die erste digitale Generation. Sie sind mit Technologie aufgewachsen – angefüttert von den sozialen Medien und stets mit ihren Smartphones bewaffnet. Sie sind clever, intuitiv und gebildet und haben wenig Geduld für oberflächliche Marketingtechniken. Wenn es um den Umgang mit Marken geht, haben sie ein schärferes Auge und höhere Erwartungen als jede andere Generation vor ihnen. Millennials erwarten von Unternehmen Authentizität, Qualität und Transparenz. Sie haben wenig Nachsicht für Marketing, das in ihre Privatsphäre eingreift, verlogen oder veraltet ist.

Um dir dabei zu helfen, diese schwierige Gruppe für dich zu gewinnen, haben wir die Millennials in unserer eigenen Belegschaft zu ihren Vorlieben befragt und ihre Antworten in einer praktischen Liste von Marketing-Dos und -Dont’s zusammengefasst.

1. Don’t: Verlass dich nicht auf Klischees

Niemand mag Klischees, aber Millennials lassen sich von unoriginellen Marketingtechniken besonders abschrecken. Warum? Millennials schätzen Originalität und Kreativität mehr als die Generation X. Langweilige Werbungen greifen, ganz ehrlich gesagt, ihre Empfindsamkeit an. Die schlimmsten Übeltäter?

cliche pharmaceutical ad
  • Parfüm-Werbung: Seelenentblößende Blicke, deplatzierte Ballkleider und ziellose, verträumte Spaziergänge überzeugen Millennials nicht, in Markenparfüms zu investieren.
  • Arzneimittel-Werbung: Warum sehen die Menschen in den Werbungen so glücklich aus, während eine endlose Liste bedenklicher Nebenwirkungen aufgezählt wird? Der Widerspruch schreit zum Himmel.
  • Diät-Werbung: Die Vorher-Nachher-Bilder – in denen das „Nachher“-Bild aussieht wie das eines Fitnesstrainers – machen Millennials nichts vor.
  • Joghurt-Werbung: Die Macher für Joghurt-Werbung scheinen zu glauben, dass Frauen die einzigen sind, die Joghurt essen. Die Geschlechtertrennung ist unrealistisch und lässt die Marken in einem schlechten Licht dastehen.

Die Liste geht noch weiter und umfasst Werbungen, die unübersehbar Schauspieler verwenden und sie als „echte Nutzer“ bezeichnen, Werbungen, die auf kitschige Werbe-Jingles setzen, gestellte Bilder einer „glücklichen Familie am Abendbrot-Tisch“ und die schreienden Gesichter von Werbungen für Chili-Sauce.

Stattdessen: Trau dich, originell zu sein

Millennials riechen ein Klischee sofort, also nimm dir die Zeit, dir ein originelles Konzept zu überlegen. Du bist dir nicht sicher, ob es deine Idee schon mal gab? Teste sie, bevor du sie umsetzt!

Klischees zu erkennen und zu vermeiden ist ein notwendiger erster Schritt, aber sich eine originelle Marketingkampagne einfallen zu lassen, ändert alles. Millennials wissen experimentelle Ansätze zu schätzen, also trau dich, mutig zu sein.

Diese Werbung gegen Alkohol am Steuer aus Neuseeland beispielsweise untergräbt gekonnt die Erwartungen. Was eine potenzielle Abhandlung von Klischees über die Gefahren des alkoholisierten Fahrens hätte sein können, ist stattdessen eine humorvolle und dennoch ergreifende Erzählung, welche Millennials direkt anspricht.

Hot sauce packaging
You don’t need a screaming face on a hot sauce bottle. Via Jelena M for heathotsauce.
Yogurt logo
Yogurt takes a vintage swirl. Via M E L O.
Nuts packaging
These labels are pretty nuts. Via Mia Katagarovafor gofknnuts.

2. Don’t: Lass dein Design nicht in den 90ern zurück

death to comic sans

Als clevere Konsumenten digitaler Inhalte sind Millennials besonders mit den besten und schlechtesten Designpraktiken vertraut. Da sie Perfektion erwarten, werden Millennials nicht von deinem altertümlichen Design beeindruckt sein. Wenn du der Generation X angehörst, fühlen sich die 90er vielleicht nicht besonders lang her an, aber für Millennials ist es ein ganzes Leben.

Es gibt zu viele Beispiele für veraltetes Design, um alle hier aufzulisten, aber hier sind einige besonders verbreitete und fürchterliche:

  • Clipart Bilder
  • Generische Archivbilder
  • Blinkende Links
  • Alte Typografie (gönne Times New Roman eine Auszeit)
  • Extrem verlaufende Hintergründe (denk an Regenbögen)
  • Microsoft Word Clipart-Ästhetik

Stattdessen: Investiere in das Grafikdesign deiner Marke

Um Millennials anzuziehen, lohnt es sich, in die Entwicklung einer designbezogenen Marke zu investieren. Grafikdesign kann ein großartiges Tool sein, um eine Verbindung zu ihnen aufzubauen und dabei deinen Werten treu zu bleiben. Und habe keine Angst davor, deine lustige Seite zu zeigen; auf der sicheren Seite zu sein wird dir bei Millennials keine Bonuspunkte einbringen.

Knitwear design
Cheeky and punny aesthetics. Via Maria Nersi for shitthatiknit.
Hipster dog logo
A woof-worthy logo. Via Hazel Anne for sptellerman.
Couch logo
If your brand is hip, your design should be, too. Via thedani.

3. Don’t: Sei nicht aufdringlich und verzichte auf Clickbait

Retargeting ad stalker

Millennials wollen von Marken nicht gestalked oder zu aggressiv beworben werden. Tatsächlich enthüllt diese Umfrage aus dem Jahr 2014, dass 84% der Millennials traditioneller Werbung wie Pop-ups, Anrufen und traditioneller Werbung nicht vertrauen. Sie wollen deiner Marke trauen und sie respektieren, bevor sie dir etwas abkaufen. Stell es dir vor, wie den Beginn einer Beziehung: Aggressive Verkaufsmethoden werden kontraproduktiv sein und Millennial-Kunden dazu bringen, sich von deiner Marke zu entfernen.

clickbait

Du denkst vielleicht, diese Methoden steigern deine Conversions, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie Leute abschrecken:

  • Werbungen, die dem User auf mehrere Kanäle folgen. Obwohl diese Methode – bekannt als „Retargeting“ oder „Remarketing“ – sehr effektiv sein kann, wird sie als belästigend empfunden, wenn man es übertreibt.
  • Werbungen, die den Bildschirm / den Hauptinhalt blockieren, auf den der User zugreift – Google wird nicht allzu glücklich darüber sein, wenn du das tust!
  • Pop-ups, die den User daran hindern, ein Fenster zu schließen.
  • Websites, die zu sehr darauf drängen, deine E-Mail-Adresse zu bekommen, indem das E-Mail-Capture zu oft auftaucht.
  • Clickbait-Artikel mit sensationellen Phrasen wie „Du wirst nicht glauben, was dann geschah!“

Stattdessen: Interagiere durch aufrichtigen Content mit Mehrwert

Was würde passieren, wenn du die Eigenwerbung etwas abschwächen und die Bedeutung und Relevanz deines Contents erhöhen würdest? Auf längere Sicht wird es dich als Vordenker etablieren, dir das Vertrauen und den Respekt deiner Kunden einbringen und sie zu treuen Kunden machen.

Into the Gloss screenshot
Verkaufe nicht einfach, sondern lehre etwas. Via Into the Gloss.

Nimm dir ein Beispiel an Glossier, dem einzigen Hersteller von Beauty-Produkten, der sich durch klar designte Produktverpackung und kreatives Content-Marketing absetzt. Seit das Unternehmen von Beauty-Redakteuren gegründet wurde, profitieren sie von ihrer Expertise, indem sie Insiderwissen der Branche auf ihrem Blog „Into the Gloss“ teilen. Mit Interviews von Modefans und Expertentipps hält der Blog User auf der Seite und macht sie oftmals durch Inspiration und fachmännische Unterstützung zu Kunden – eine Technik, die eindeutig effektiver ist, als sie immerzu daran zu erinnern, dass ihr Warenkorb leer ist.

4. Don’t: Profitiere nicht von zusammenhanglosen sozialen Angelegenheiten

Millennials sorgen sich zutiefst um soziale Verantwortung – nach einer Umfrage aus dem Jahr 2014 der Nielsen Global Survey Group tun sie das mehr als jede andere Altersgruppe. Wenn deine Marke den Eindruck vermittelt, auf eine unaufrichtige Art von wichtigen Angelegenheiten profitieren zu wollen, werden Millennials das merken – und die Stirn runzeln. Bevor du also eine soziale Kampagne startest, sorge dafür, dass du es nicht tust, um auf einen Trend aufzuspringen, sondern weil dir das Thema wirklich am Herzen liegt.

businessman holding a globe and lying

Schau dir Pepsis Werbekampagne mit Kendall Jenner als warnendes Beispiel an: Das Unternehmen versuchte, von jüngsten sozialen Bewegungen zu profitieren, die unter Millennials beliebt sind – einschließlich Black Lives Matter, Occupy und dem Women’s March – um Limonade zu verkaufen. Pepsi bemühte sich, diesen Protesten sein „Live for Now“-Branding aufzusetzen, indem es sie beschönte und so darstellte, als wären es lustige Partys. Das führte zu einer Banalisierung des sehr realen und sehr ernsten Themen, für die diese Bewegungen stehen und führte zu einer riesigen Gegenreaktion in den sozialen Medien. Und weißt du, wer soziale Medien benutzt? Millennials. Dieser PR-Albtraum führte dazu, dass die Werbung ein paar Tage später zurückgezogen wurde.

Stattdessen: Mache Fürsorge zu einem Kernpunkt deines Unternehmens

Wenn du eines von vielen Unternehmen bist, das erkannt hat, dass gesellschaftliche Bedeutung und Profitabilität nichts Gegensätzliches sind, bemühe dich, dies als einen Kernteil deiner Markenidentität durchscheinen zu lassen. Ob es nun im Bereich Umwelt, Philanthropie, Ethik oder Freiwilligenarbeit ist, teile dein Leidenschaft mit deinen Kunden.

Toms and Warby Parker zum Beispiel, spenden für jedes gekaufte Produkt ein Produkt an Bedürftige. Andere Unternehmen haben soziale Anliegen sogar noch mehr in ihr Geschäftsmodell integriert. Managed by Q beispielsweise – ein Startup für Bürodienstleistungen – stellt Arbeiter mit benachteiligtem Hintergrund ein und ist im Zuge dessen Teil ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit.

Women solidarity logo
Stand for a cause. Via Reddion for vortiz0623.

Versteht deine Marke Millennials?

cheesy joke
Wir haben darüber nachgedacht, dir zu raten, keine lahmen Witze zu machen. Dann fiel uns ein, dass jeder lahme Witze mag.

Wenn du Millennials erreichen willst, sorge dafür, dass du ihnen etwas Anerkennung zollst. Sie sind klug, gebildet, digital versiert sowie sozial denkend und sie besitzen steigende Kaufkraft. Indem du mit Transparenz und Kreativität eine Bindung zu ihnen aufbaust und ihnen Produkte, Content und ein Nutzererlebnis mit Mehrwert bietest, wirst du sie zu Kunden machen. Und wenn du erst einmal ihr Vertrauen gewonnen hast, kannst du darauf zählen, dass sie bleiben werden.

Welche Marketingtechniken sind deiner Meinung nach erfolgreich bei Millennials? Welche funktionieren gar nicht? Sag es uns in den Kommentaren!